Ausblick / Was als Nächstes zu erwarten ist: Die Beurteilung der Herzgesundheit geschieht nicht ausschließlich durch die Messung von Blutdruck und Cholesterin. Alltägliche physische Signale können ebenfalls wertvolle Erkenntnisse zur Herzgesundheit liefern. Überraschenderweise sind einige dieser Indikatoren von Bedeutung, erläutert unter anderem der Kardiologe Sanjay Bhojraj.
Der interventionelle Kardiologe, der über zwei Jahrzehnte Erfahrung in der Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen verfügt, nutzt soziale Medien, um eine Vielzahl von Followern über verbreitete Gesundheitsmythen zu informieren. Er legt besonderen Wert darauf, welche Körpersignale ernst genommen werden sollten.
Aktuelle Studien und medizinische Leitlinien haben vier signifikante Signale identifiziert, die auf die Herzgesundheit hinweisen.
Ein fester Händedruck als Indikator
Auf den ersten Blick mag ein kräftiger Händedruck unscheinbar wirken, jedoch haben zahlreiche Forschungsarbeiten sich intensiv mit diesem Phänomen befasst. Sanjay Bhojraj hebt hervor, dass ein fester Händedruck möglicherweise auf eine gute Herzgesundheit hinweist. Die vorhandene Studienlage hierzu ist bemerkenswert.
Eine Untersuchung, die 2026 im JAMA Network Open veröffentlicht wurde, begleitete mehr als 5.400 Frauen im Alter zwischen 63 und 99 Jahren über einen Zeitraum von etwa acht Jahren. Die Ergebnisse zeigen, dass Frauen mit starker Griffkraft ein signifikant geringeres Risiko für Sterbefälle aufweisen als ihre Altersgenossinnen mit schwacher Griffkraft.
Eine internationale Studie, veröffentlicht im renommierten Fachjournal „The Lancet“, bestätigte ähnliche Ergebnisse und stellte fest, dass die Griffkraft ein überraschend guter Prädiktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie die Gesamtsterblichkeit ist. In einigen Fällen erwies sich dieser als sogar aussagekräftiger als der Blutdruck. Die Griffkraft reflektiert nicht nur die Muskelkraft, sondern bietet auch Einblicke in den Zustand des Stoffwechsels, des Nervensystems, der Gefäße sowie der allgemeinen physischen Fitness.
Leichte Atmung beim Gehen
Ein weiterer bedeutender Indikator ist die Fähigkeit, beim Gehen problemlos zu sprechen. Dies weist in der Regel auf eine gesunde Herz-Kreislauf-Funktion hin. Herz und Lunge müssen effektiv zusammenarbeiten, um Muskeln und Gehirn mit ausreichend Sauerstoff zu versorgen. Funktioniert dieses Zusammenspiel gut, bleibt genügend Luft zum Sprechen, selbst während eines Spaziergangs.
Im Gegensatz dazu kann Atemnot bei alltäglichen Aktivitäten ein frühes Warnsignal für Herzschwäche oder andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen darstellen. Die Leitlinien der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie zur Herzinsuffizienz betonen, dass neu auftretende Atemnot bei körperlicher Belastung stets ärztlich abgeklärt werden sollte, da sie eines der Hauptsymptome einer beginnenden Herzschwäche ist.
Der Fingernageltest als einfacher Indikator
Ein unkomplizierter Fingernageltest kann ebenfalls wertvolle Informationen über die Herzgesundheit liefern. Drückt man einige Sekunden auf einen Fingernagel, verändert dieser zunächst seine Farbe zu Weiß. Beim Loslassen sollte die rosige Farbe schnell zurückkehren. Diese sogenannte Kapillarfüllungszeit ist seit vielen Jahren Bestandteil der körperlichen Untersuchung. Bei gesunden Erwachsenen beträgt diese Zeit in der Regel weniger als zwei Sekunden. Eine deutlich längere Zeit kann auf Durchblutungsstörungen, Flüssigkeitsmangel oder Kreislaufprobleme hindeuten.
Obwohl dieser Test keine umfassende medizinische Untersuchung ersetzt, verdeutlicht er, wie eng die Durchblutung der kleinsten Gefäße mit der Leistungsfähigkeit des Herz-Kreislauf-Systems verknüpft ist.
Schnelle Pulsregulation als Zeichen für Fitness
Die Erholungszeit der Herzfrequenz ist ein weiteres wichtiges Zeichen für ein gesundes Herz-Kreislauf-System. Diese bezieht sich darauf, wie schnell der Puls nach leichter körperlicher Aktivität, wie schnellem Treppensteigen oder einem kurzen Spaziergang, wieder absinkt. Eine der bekanntesten Studien zu diesem Thema, veröffentlicht im „New England Journal of Medicine“, zeigt, dass eine verlangsamte Herzfrequenz-Erholung ein erheblicher Risikofaktor für die Gesamtsterblichkeit ist. Personen, deren Puls nach körperlicher Belastung schnell wieder abfällt, weisen oft eine bessere Herz-Kreislauf-Fitness und ein gesünderes vegetatives Nervensystem auf.
Das Herz muss in der Lage sein, sich nach einer Belastung zügig wieder in den Ruhemodus zu versetzen. Gelingt dies, spricht das für eine gute Regulation zwischen Anstrengung und Erholung. Experten betrachten die Herzfrequenz-Erholung somit als einen der aussagekräftigsten Marker für die körperliche Leistungsfähigkeit.
Gemeinsame Merkmale der Indikatoren
Auf den ersten Blick scheinen ein fester Händedruck, eine zügige Pulsregulation, das Fehlen von Atemnot und der Fingernageltest wenig miteinander zu tun zu haben. Tatsächlich jedoch geben alle vier Hinweise darauf, wie effektiv Herz, Gefäße und Kreislaufsystem zusammenarbeiten. Sanjay Bhojraj weist darauf hin, dass diese Körpersignale keine medizinischen Vorsorgeuntersuchungen ersetzen können. Blutdruck, Cholesterinwerte und EKG bleiben unverzichtbare Bestandteile der Herzdiagnostik. Dennoch belegen Studien, dass der Körper oft frühzeitig Hinweise darauf liefert, wie gut Herz und Kreislauf funktionieren, wenn man diese Signale richtig interpretiert.
Quellen: Focus, Berliner Morgenpost
Bildquelle: Bildquelle: Sebastian Dumitru auf Unsplash
Dieser Text wurde mit Hilfe von künstlicher Intelligenz in Zusammenarbeit mit unserer Redaktion erstellt.