Ölkonzerne profitieren von Preisanstieg trotz geopolitischer Unsicherheiten
Stand: 14.04.2026 • 14:41 Uhr
Die stark gestiegenen Ölpreise führen zu einem Anstieg der Gewinne bei großen Ölunternehmen. Dennoch haben einige Konzerne mit den Auswirkungen des Konflikts im Golfraum zu kämpfen. An den Aktienmärkten hoffen die Anleger auf eine Deeskalation der Situation in der Region.
In der aktuellen Krise im Iran zeigt sich, dass die Börsen oft ein verzerrtes Bild der globalen Ereignisse vermitteln. Je nach Branche können weltpolitische Entwicklungen sowohl positive als auch negative Auswirkungen auf die Geschäfte haben.
Dies wird besonders deutlich, wenn ein Ereignis erhebliche Konsequenzen für ein bestimmtes Gut hat, das von einer Branche produziert und von anderen konsumiert wird. Aktuell sind Öl und Gas die entscheidenden Rohstoffe, die die Börsenlandschaft in Gewinner und Verlierer unterteilen.
BP verzeichnet hohe Gewinne durch gestiegene Ölpreise
Zu den Gewinnern zählen die großen Ölkonzerne, die von den stark gestiegenen Preisen profitieren. Der britische Energiekonzern BP hat angekündigt, dass das Ergebnis im ersten Quartal außergewöhnlich positiv ausfallen wird.
Der Preis für die Rohölsorte Brent stieg nach den US-israelischen Angriffen auf den Iran Ende Februar auf ein Mehrjahreshoch von nahezu 120 Dollar pro Barrel. Im ersten Quartal lag der Durchschnittspreis für Brent bei etwa 78 Dollar, während er im vorhergehenden Quartal noch bei 63 Dollar lag.
Raffineriegeschäft ebenfalls profitabel
Auch im Bereich der Raffinerien sorgen die höheren Preise für steigende Gewinne. Laut BP stiegen die Raffineriemargen im ersten Quartal von zuvor 15,2 Dollar auf 16,9 Dollar. Dies könnte das Ergebnis im Produktgeschäft um 100 bis 200 Millionen Dollar verbessern. Im Vergleich zum Vorquartal wird jedoch eine Stagnation in der Öl- und Gasförderung erwartet.
Die aktuelle Entwicklung scheint zudem die Pläne für erneuerbare Energien bei BP zu dämpfen. Die neue CEO Meg O’Neill beabsichtigt zwar, den Umbau des Unternehmens fortzusetzen, plant jedoch auch, verstärkt in das Öl- und Gasgeschäft zu investieren, um die Profitabilität zu erhöhen.
Shell meldet ebenfalls Gewinnsteigerung
Bereits in der vergangenen Woche hatte der größeren Konkurrent Shell angekündigt, aufgrund der stark gestiegenen Ölpreise ein deutliches Gewinnplus zu erwarten. In der Marketing-Sparte, die insbesondere das weltweite Tankstellennetz umfasst, dürften die bereinigten Gewinne im ersten Quartal „deutlich höher ausfallen“ als im gleichen Zeitraum des Vorjahres.
Allerdings könnte Shell Einbußen im Geschäft mit Flüssigerdgas (LNG) erleiden. Das Unternehmen hat langfristige Verträge mit Katar abgeschlossen, dessen LNG-Produktion aufgrund iranischer Angriffe auf seine Anlagen erheblich eingeschränkt ist. Zudem ist die Straße von Hormus, die für den Seetransport von LNG entscheidend ist, blockiert.
Geographische Präsenz entscheidend für den Erfolg
Die geographische Präsenz der Ölmultis in der Krise spielt eine wesentliche Rolle für den wirtschaftlichen Erfolg. Insbesondere das Engagement in der Golfregion ist von Bedeutung. Dies betrifft vor allem den weltweit größten Ölkonzern Saudi Aramco. Konzernchef Amin Nasser bezeichnete den Iran-Krieg und dessen Folgen als die größte Krise, der die Öl- und Gasindustrie der Region jemals ausgesetzt war.
Auch der größte US-Ölkonzern ExxonMobil hat aufgrund des Konflikts im Persischen Golf im ersten Quartal sechs Prozent seiner weltweiten Produktion verloren. Die Hälfte dieser Ausfälle konzentriert sich auf einen Flüssiggaskomplex in Katar, an dem Exxon beteiligt ist. Zwei Produktionslinien für Flüssiggas wurden beschädigt, und nach Schätzungen aus Katar könnte die Reparatur mehrere Jahre in Anspruch nehmen.
Normalerweise entfällt etwa ein Fünftel der weltweiten Produktion des texanischen Ölriesen auf die Region um den Persischen Golf. Die gestiegenen Öl- und Gaspreise, die laut Exxon etwa 2,5 Milliarden Dollar zusätzlich in die Kassen spülen, werden voraussichtlich nicht ausreichen, um die Einbußen auszugleichen, sodass Exxon im ersten Quartal mit einem geringeren Gewinn rechnen muss.
Optimismus an den Börsen durch Friedenshoffnungen
Insgesamt sorgt die Hoffnung auf neue Friedensgespräche zwischen dem Iran und den USA für einen leichten Optimismus an den Börsen. Der DAX verzeichnete bis zum frühen Nachmittag einen Anstieg von rund einem Prozent und überschritt zeitweise die Marke von 24.000 Punkten.
Dieses Thema im Programm: tagesschau.de | Börse: Zwischenstand am Mittag | 14.04.2026 | 13:45 Uhr
- USA erlauben vorübergehend Kauf von russischem Öl – Ausnahme wegen Energiekrise
- TKMS-Anleger aufgepasst: Darum könnte es für die Rallye jetzt eng werden!
„`