Die Industrie in Deutschland steht vor erheblichen Herausforderungen: Hohe Produktionskosten und eine rückläufige Nachfrage setzen die Unternehmen unter Druck. In diesem Zusammenhang wird Osteuropa, insbesondere Ungarn, zunehmend interessant. Um ihre Wettbewerbsfähigkeit zu stärken, suchen Unternehmen nach Möglichkeiten, die Lieferwege zu verkürzen und Kosten zu senken.
Produktionsstandorte im Wandel
In der Fertigungshalle von KACO, die mittlerweile eine auffällige Lücke aufweist, wo einst eine Maschine zur Herstellung von Gummi-Dichtungen stand, berichtet Geschäftsführer Gernot-Alois Feiel von der Verlagerung der vierten Maschinen-Anlage nach Ungarn in diesem Jahr. Der Kostendruck zwingt das Unternehmen zur Anpassung; kürzlich senkte ein wichtiger Kunde die Preise für einen Großauftrag um zehn Prozent, was die Lage zusätzlich kompliziert.
Wachsende Herausforderungen für deutsche Unternehmen
Feiel macht deutlich, dass die steigenden Energie- und Fertigungskosten sowie die Inflation die Gewinnmargen erheblich belasten. Rohstoffe, wie der zur Dichtungsproduktion notwendige Gummi, werden zunehmend in Ungarn verarbeitet, wo die Produktionskosten günstiger sind als in Baden-Württemberg.
Laut einer Umfrage der Unternehmensberatung Horvath rechnen fast 60 Prozent der 1.000 befragten Geschäftsführer in Deutschland bis 2030 mit einem Rückgang der Mitarbeiterzahlen. Dabei setzen die Unternehmen verstärkt auf eine „Local-for-Local-Strategie“, die darauf abzielt, Produkte direkt in den Märkten herzustellen, in denen sie verkauft werden. Diese Strategie soll die Unsicherheiten in den Lieferketten verringern und Zollprobleme vermeiden, hat jedoch zur Folge, dass die Exporte aus Deutschland abnehmen.
Ungarn als attraktiver Standort für die Automobilindustrie
Ungarn hat sich in den letzten Jahren als ein bedeutendes Zentrum für die deutsche Automobilindustrie etabliert. Renommierte Unternehmen wie BMW, Audi und Mercedes-Benz haben dort große Investitionen getätigt und neue Werke eröffnet. Das größte Mercedes-Benz-Werk befindet sich in Kecskemet, wo die Produktion der vollständig elektrischen C-Klasse geplant ist.
Darüber hinaus haben auch chinesische Firmen wie CATL und BYD in Ungarn Produktionsstätten errichtet, was die Wettbewerbsbedingungen weiter verändert. CATL plant den Bau einer „Giga-Factory“ in Debrecen, während BYD ein umfangreiches Werk im Süden des Landes aufbaut.
Kostenvorteile der Produktion in Ungarn
Ola Källenius, Vorstandsvorsitzender von Mercedes, hebt die Kosteneffizienz der ungarischen Produktion hervor, die im Vergleich zu Deutschland um bis zu 70 Prozent günstiger sein soll. Die durchschnittlichen Arbeitskosten im verarbeitenden Gewerbe belaufen sich in Ungarn auf 15,60 Euro pro Stunde, während sie in Deutschland bei 49,50 Euro liegen. Zudem ist die reguläre Arbeitswoche in Ungarn mit 40 Stunden länger als die 35 Stunden in Deutschland.
Ein zusätzlicher Vorteil ist der niedrigere Krankenstand in Ungarn, was sich positiv auf die Produktivität der Mitarbeiter auswirkt. In Deutschland ist der Krankenstand mehr als doppelt so hoch.
Emotionale Aspekte der Verlagerung
Die vollständige Verlagerung der Produktion von KACO nach Ungarn hinterlässt bei Geschäftsführer Feiel gemischte Gefühle. Während er erfreut ist, dass die Produktion weiterläuft, bedauert er den Verlust von Arbeitsplätzen in Deutschland. In den vergangenen Jahren musste das Unternehmen 174 Stellen abbauen, insbesondere im Produktionsbereich.
Feiel äußert zudem Bedenken zur Deindustrialisierung Deutschlands, die er als Verlust von Wohlstand betrachtet. Um die Wettbewerbsfähigkeit zu wahren, entschloss man sich, aus dem Arbeitgeberverband Südwestmetall auszutreten und den IG-Metall-Tarifvertrag nicht mehr anzuwenden. Die durch den Tarifvertrag bedingten hohen Lohnkosten stellen ein ernsthaftes Hindernis im internationalen Wettbewerb dar.
Chancen durch Forschung und Innovation
Trotz der Schwierigkeiten in der deutschen Industrie erkennen Experten neue Chancen. Anita Wölfl vom ifo-Institut betont, dass Investitionen in Forschung und Entwicklung für die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands von entscheidender Bedeutung sind. Diese Bereiche könnten in der Zukunft signifikante Wachstums- und Produktivitätseffekte erzeugen.
KACO verfolgt ebenfalls diese Strategie, indem die Entwicklungsabteilung als das Herzstück des Unternehmens betrachtet wird. Feiel ist überzeugt, dass Deutschland in Bezug auf Kreativität und Innovationskraft weiterhin führend bleibt und diese Stärken unbedingt bewahrt werden müssen.
Steigender Fachkräftebedarf in kritischen Berufen erfordert mehr Zuwanderung
„`
Quellen: tagesschau, Berliner Zeitung
Bildquelle: Katharina-Charlotte May auf Pexels
Dieser Text wurde mit Hilfe von künstlicher Intelligenz in Zusammenarbeit mit unserer Redaktion erstellt.