Die Entscheidung der FIFA, Anteile an der Fußball-Weltmeisterschaft zu verkaufen, hat im Fußballumfeld für große Unruhe gesorgt. Um diese Situation umfassend zu erörtern, hat die UEFA für den heutigen Donnerstagnachmittag eine Krisensitzung einberufen, bei der die europäischen Mitgliedsverbände über geeignete Maßnahmen beraten werden.
Der norwegische Fußballverband teilte mit, dass die Spitze der 55 Landesverbände zusammenkommt, um die nächsten Schritte zu diskutieren. In den Berichten ist die Möglichkeit eines Boykotts der Weltmeisterschaft ebenfalls ein Thema.
Bernd Neuendorf, der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), äußerte sich kritisch zu den FIFA-Plänen, die er als fatales Zeichen bezeichnete. Er betonte, dass der Fußball auf gesellschaftliche Akzeptanz angewiesen sei und nicht in den Händen von Investoren landen dürfe. Neuendorf warnte eindringlich vor einem Verlust der Fan-Akzeptanz.
DFB-Vizepräsident Hans-Joachim Watzke sieht eine Einigkeit unter den europäischen Verbänden heranwachsen. Er erinnerte daran, dass bei der vergangenen WM sechs europäische Mannschaften das Viertelfinale und drei das Halbfinale erreicht hatten. Watzke ist überzeugt, dass eine geschlossene Haltung des europäischen Fußballs gegenüber den FIFA-Plänen erhebliches Gewicht haben könnte.
Im Gegensatz hierzu äußerte sich David Trunda, der tschechische Verbandschef, positiv zu den FIFA-Plänen und sah Vorteile für den tschechischen Fußball. Diese Äußerungen führten in Tschechien zu einer gewissen Aufregung, was den dortigen Ligaverband veranlasste, eine bedingungslose Unterstützung der UEFA einzufordern.
Die FIFA plant die Gründung einer Tochtergesellschaft namens FIFA Forward Enterprise (FFE), die die kommerziellen Aktivitäten und die Turnierorganisation bündeln soll. Präsident Gianni Infantino hat den Mitgliedsverbänden eine Frist bis zum 19. September gesetzt, um ihr Interesse an einer Teilnahme zu bekunden. Nur Verbände, die diese Chance ergreifen, sollen die Möglichkeit auf eine Soforthilfe von 20 Millionen US-Dollar erhalten. Wenn mehr als die Hälfte der Verbände einen Antrag stellt, will die FIFA dies als Zustimmung werten.
Die UEFA äußerte sich irritiert über das Vorgehen der FIFA und kritisierte die Fristsetzung scharf. In einer Mitteilung wurde deutlich gemacht, dass diese Vorgehensweise bereits viel über den Plan aussage. Der europäische Verband verwies auf den zunehmenden Widerstand gegen die Investorenpläne der FIFA und forderte, dass der Sport nicht länger zur Bereicherung der FIFA und ihrer Verbündeten dienen dürfe.
Der Kontinentalverband CONCACAF brachte ebenfalls Bedenken zum Ausdruck und kritisierte den intransparenten Prozess. Der asiatische Verband AFC zeigte sich enttäuscht darüber, dass eine so wichtige Angelegenheit ohne die Möglichkeit einer internen Diskussion vorab publik gemacht wurde. Beide Verbände forderten mehr Transparenz und ordnungsgemäße Verfahren.
Im Unterschied dazu zeigt sich der afrikanische Fußballverband CAF offen für die Investorenpläne. CAF-Präsident Patrice Motsepe hat die Mitgliedsverbände dazu aufgerufen, den Vorschlag zu prüfen und sich aktiv am Konsultationsprozess zu beteiligen. Mit 54 Mitgliedsverbänden verfügt die CAF über einen bedeutenden Stimmenblock innerhalb der FIFA.
Die Organisation FairSquare bezeichnete die Pläne als skandalösen Ausverkauf des Fußballs und richtete einen Aufruf an Politiker sowie einflussreiche Persönlichkeiten, sich gegen diese Vorhaben zu stemmen. Nicholas McGeehan, der Direktor der Organisation, äußerte Bedenken, dass diese Pläne das Patronagenetzwerk verstärken könnten, das für die Missstände bei der FIFA verantwortlich sei.
Insgesamt lässt sich festhalten, dass die Diskussion um die Investorenpläne der FIFA sowohl innerhalb der europäischen Verbände als auch international für erhebliche Kontroversen sorgt. Die kommenden Tage werden entscheidend sein, um zu beobachten, wie die verschiedenen Verbände auf die Entwicklungen reagieren und ob tatsächlich ein Boykott der WM in Betracht gezogen wird.
Welche Chancen und Risiken birgt FIFA’s neuer Investorenansatz für den Fußball?
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Quellen: sportschau, BR