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Wie kann die Altersvorsorge in Deutschland reformiert werden?

Deutsche-Börse-Chef Stephan Leithner fordert eine umfassende Reform der Altersvorsorge in Deutschland. Er betont die Notwendigkeit, die private und betriebliche Altersvorsorge zu stärken, um die gesetzliche Rente zu entlasten.

Wie kann die Altersvorsorge in Deutschland reformiert werden?
Christoph Scholz via Wikimedia Commons (CC BY-SA 2.0)

Deutsche-Börse-Chef Stephan Leithner fordert eine zügige und umfassende Reform des Rentensystems in Deutschland. In einem Gespräch äußerte er, dass die derzeitige gesetzliche Rente nicht ausreiche und die Bundesregierung dringend handeln müsse.

Leithner betont, dass die gesetzliche Rente als eine der drei Säulen der Altersvorsorge erhalten bleiben sollte, jedoch müsse die kapitalmarktbasierte betriebliche und private Altersvorsorge eine bedeutendere Rolle einnehmen. „Wir können nicht länger zusehen, dass immer größere Milliardenbeträge aus dem Bundeshaushalt aufgebracht werden müssen, um die Löcher in der Rentenkasse zu stopfen“, sagte er.

Dringender Handlungsbedarf für die Rentenreform

Die Bundesregierung hat bereits mit der Einführung der Frühstart-Rente und dem geplanten Altersvorsorgedepot, einem staatlichen Depot aus Wertpapieren, wichtige Schritte unternommen. Leithner lobte diese Initiativen als Fortschritte, die vor kurzem noch als undenkbar galten. Er ist optimistisch, dass die Rentenkommission bald weitere Vorschläge präsentieren wird. Der Druck, Lösungen zu finden, sei enorm, sowohl für Deutschland als auch auf europäischer Ebene.

Unzureichendes Rentenniveau für Geringverdiener

Leithner kritisierte das aktuelle Rentenniveau von 48 Prozent als unzureichend, insbesondere im Hinblick auf die steigenden Lebenshaltungskosten. „Das reicht hinten und vorne nicht“, so Leithner. Er fordert ein Rentenniveau von bis zu 65 Prozent, um auch für Menschen mit niedrigem Einkommen eine akzeptable Altersvorsorge zu gewährleisten. Dies sei jedoch allein durch die gesetzliche Rentenversicherung nicht finanzierbar.

Im vergangenen Jahr hatte die Bundesregierung ein Rentenpaket beschlossen, das das Rentenniveau bis 2031 bei 48 Prozent festschreibt. Dies bedeutet, dass die Renten jährlich so angepasst werden, dass das Sicherungsniveau vor Steuern nicht unter diese Grenze sinkt. Für 2026 sind mehr als 120 Milliarden Euro aus dem Bundeshaushalt für die gesetzliche Rentenversicherung eingeplant.

Frühstart-Rente und Kinderdepot

Leithner schlägt vor, die Frühstart-Rente, die Kindern ab dem sechsten Lebensjahr monatlich zehn Euro vom Staat für ein Depot bereitstellt, mit einem Einmalbetrag von 4.000 Euro bei der Geburt zu kombinieren. Dies würde den Zinseszinseffekt erheblich begünstigen. Zudem fordert er steuerfreie Sonderzahlungen für das Kinderdepot, ähnlich wie in den USA, wo Großeltern bis zu 5.000 Euro in das Depot einzahlen können.

Betriebliche Altersvorsorge als Standard

Ein weiterer Vorschlag von Leithner ist, die betriebliche Altersvorsorge in jeden Arbeitsvertrag zu integrieren. Derzeit sind nur etwa 50 Prozent der Beschäftigten in Deutschland in diesem System, während in Ländern wie den Niederlanden oder der Schweiz 90 Prozent oder mehr abgedeckt sind. Leithner betont, dass es wichtig sei, Menschen mit geringen oder mittleren Einkommen beim Vermögensaufbau zu unterstützen, um eine angemessene Altersabsicherung zu gewährleisten. Weitere Informationen zu den Herausforderungen in der Sozialversicherung finden Sie in unserem Artikel über Familienversicherung im Kreuzfeuer.

Wachsendes Interesse an Kapitalmärkten

Leithner stellt fest, dass sich auch ohne staatliche Anreize viel getan hat. Im Jahr 2022 gab es in Europa 19 Millionen Anleger in börsengehandelte Indexfonds (ETFs), mittlerweile sind es 33 Millionen, davon über 14 Millionen in Deutschland. Dies zeigt eine positive Entwicklung, insbesondere unter jungen Menschen, die erkennen, dass staatliche Vorsorge allein nicht ausreicht.

Finanzbildung und Rendite

Leithner hebt hervor, dass die Deutschen stärker von der Wertschöpfung an den Kapitalmärkten profitieren sollten. Er verweist auf die gute Performance des Dax in den Jahren 2024 und 2025 und fragt, warum Bürger nicht an dieser Wertsteigerung teilhaben. „Die beste Finanzbildung ist der Depotauszug“, erklärt er und weist darauf hin, dass selbst bei ungünstigen Kaufzeitpunkten eine durchschnittliche Rendite von über drei Prozent erzielt werden kann.

Insgesamt fordert Leithner eine umfassende Reform der Altersvorsorge, um die finanziellen Herausforderungen der Zukunft zu bewältigen und eine gerechte Absicherung im Alter zu gewährleisten. Der Fachkräftemangel in der Fleischwirtschaft ist ein Beispiel für die weitreichenden Auswirkungen des demografischen Wandels auf verschiedene Branchen.

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Bildquelle: Christoph Scholz via Wikimedia Commons (CC BY-SA 2.0)

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