Gesundheitliche und ökologische Risiken des Iran-Kriegs: Ein globaler Blick
06.04.2026, 10:01 Uhr
Der Konflikt im Nahen Osten dauert mittlerweile über einen Monat an. Erste Schätzungen und Prognosen zeigen, dass sowohl Menschen als auch die Umwelt erheblich unter den Folgen leiden – und dies nicht nur in den direkt betroffenen Ländern.
Nach Angaben verschiedener Staaten sind im Iran-Krieg bereits mehrere Tausend Menschen ums Leben gekommen. Die Bombardierungen und Brände setzen jedoch auch gefährliche Substanzen frei, die beim Einatmen gesundheitsschädlich sind und langfristige Auswirkungen haben können. Zudem ist die Trinkwasserversorgung gefährdet.
Zu den auffälligsten Umweltfolgen zählen die Angriffe auf Ölanlagen, wie etwa Öllager im Iran oder eine Raffinerie in Israel. Besonders dramatisch waren die dichten Rauchwolken über Teheran nach dem Brand mehrerer Depots Anfang März.
„Allein die israelischen Angriffe auf die Ölanlagen in Teheran führten dazu, dass potenziell Millionen von Menschen einer breiten Palette gefährlicher Schadstoffe ausgesetzt waren, von denen einige in der Umwelt persistent sind und eine anhaltende Bedrohung für Böden und Wasserressourcen darstellen“,
erklärte Doug Weir, Direktor der britischen Organisation The Conflict and Environment Observatory (Ceobs). Steigende Ölpreise könnten die Situation zusätzlich verschärfen.
Schadstoffe und ihre Verbreitung
Diese giftige Mischung aus Schadstoffen regnete laut Ceobs anschließend über der Stadt ab und gelangte in die Entwässerungssysteme, was Bedenken hinsichtlich einer möglichen Verunreinigung von Oberflächen- und Grundwasser aufwarf. Zu den typischen Schadstoffen von Öl- oder Raffineriebränden zählen Kohlenmonoxid, Schwefeldioxid, Stickoxide und Ruß.
„Teheran selbst ist generell stark verschmutzt. Jahrelange Sanktionen haben dazu geführt, dass die Autos veraltet sind“,
sagte Sana Chavoshian vom Leibniz-Zentrum Moderner Orient in Berlin.
„Zur Energiegewinnung wird das besonders umweltschädliche Schweröl Masut verbrannt. Und jetzt kommen diese neuen Explosionen und Bombardierungen dazu, sodass sich weitere Schadstoffe ansammeln.“
Forschungsergebnisse zeigen, dass Menschen in stark verschmutzten Umgebungen wie Teheran besonders anfällig für gesundheitliche Auswirkungen in Phasen sehr schlechter Luftqualität sind. US-Jet im Iran abgestürzt könnte auch politische Herausforderungen mit sich bringen.
Partikelverbreitung über Hunderte Kilometer
Partikel aus dem Rauch können laut Ceobs innerhalb von Tagen Hunderte Kilometer weitergetragen werden. Das niedergegangene Schadstoffgemisch kann mit dem Wind von den Straßen und Dächern abgetragen werden und bis nach Turkmenistan in Zentralasien und Tadschikistan gelangen, erklärte Chavoshian.
„Staubstürme bringen schon seit Jahren Feinstaub in andere Länder, und jetzt kommen weitere Schadstoffe hinzu als giftiges Erbe des Krieges.“
Die Gefahren gehen jedoch nicht nur von brennendem Öl aus, sondern auch von Bomben und anderer Munition.
„Der weitverbreitete Einsatz von Munition kann zur Freisetzung von Schwermetallen und giftigen Chemikalien in die Umwelt führen“,
berichtete das UN-Umweltprogramm (Unep). Diese Schwermetalle und explosiven Chemikalien sind selbst in geringen Mengen giftig. Auch Angriffe auf Munitionsdepots können laut Ceobs Schadstoffe freisetzen, und zusätzlich könnten bei Bränden von Depots mit konventionellen Waffen Dioxine und Furane entstehen.
Langfristige Gefahren für Wasserressourcen
Eine weitere ernsthafte Gefahr ist die Verschmutzung des Wassers.
„Schäden an der Ölinfrastruktur können Kohlenwasserstoffe, Schwermetalle und giftige Chemikalien in Böden und Oberflächengewässer freisetzen, die anschließend ins Grundwasser gelangen können“,
erklärte Nima Shokri, Leiter des Instituts für Geohydroinformatik der Technischen Universität Hamburg.
„Diese Verschmutzung kann über Jahre oder sogar Jahrzehnte bestehen bleiben und Wasser für Trink- und Landwirtschaftszwecke unbrauchbar machen.“
In Küstenregionen könnten solche Verschmutzungen auch das Wasser beeinträchtigen, das für Entsalzungsanlagen entnommen wird, was die Aufbereitung teurer und riskanter macht.
„Frühere Konflikte und Unfälle haben gezeigt, dass selbst begrenzte Ölverschmutzungen langfristige Auswirkungen auf die Wasserqualität und die Gesundheit von Ökosystemen haben können.“
Globale Hungersnot durch den Konflikt
Für viele Menschen in ärmeren Staaten könnte der Iran-Krieg ebenfalls drastische Folgen haben. Sollte der Konflikt bis zum Sommer andauern, könnten zusätzlich 45 Millionen Menschen in Hungersituationen geraten, warnte das Welternährungsprogramm (WFP) der Vereinten Nationen. Die Blockade vieler Schiffe treibt bereits jetzt die Kosten für Energie, Treibstoff und Düngemittel in die Höhe und verschärft den Hunger weit über den Nahen Osten hinaus. Viele Grundzutaten für Dünger stammen aus der Region, wie Harnstoff, Schwefel und Phosphat.
Eine erste grobe Schätzung, die als „Schnappschuss“ bezeichnet wird, ermittelte den Treibhausgasausstoß der ersten zwei Wochen des Krieges. Experten der Queen Mary University of London und der Denkfabrik Climate and Community Institute schätzten, dass der Krieg Treibhausgase mit der Wirkung von fünf Millionen Tonnen CO2 verursacht hat. Rund die Hälfte davon sei entstanden, weil zerstörte Gebäude wieder aufgebaut werden müssten, was sehr viel CO2 produziere. Weitere Emissionen resultieren aus der Verbrennung und Zerstörung von Öl sowie dem Treibstoffverbrauch des Militärs.
Indirekte Klimawirkungen des Konflikts
Klimaexperte Lennard de Klerk wies darauf hin, dass solche Berechnungen viele Unsicherheitsfaktoren beinhalten. Er nannte eine weitere Klimawirkung:
„Zu den indirekten Effekten zählt etwa die Störung der Lieferung von Flüssigerdgas (LNG) nach Asien, was zu einer verstärkten Nutzung der viel klimaschädlicheren Kohle führt, solange die Sperrung der Straße von Hormus andauert.“
Klerk hofft auf eine positive Folge des Krieges:
„Der Konflikt im Iran erinnert daran, dass fossile Brennstoffe eine unzuverlässige Energiequelle sind, was die Energiewende nicht nur in Europa, sondern auch in Asien vorantreiben könnte.“
Zusätzlich könnte ein neuer Ansatz für Frieden in der Region notwendig sein.
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