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Ernährungsscreening im Krankenhaus: Mangelernährung effektiv vorbeugen

Jährlich sterben in Deutschland Tausende an Mangelernährung, vor allem ältere Menschen. Ab 2027 wird ein verpflichtendes Screening in Krankenhäusern eingeführt, um Betroffene frühzeitig zu identifizieren und zu behandeln.

Ernährungsscreening im Krankenhaus: Mangelernährung effektiv vorbeugen
KI-generiert

In Deutschland sind jährlich zehntausende Menschen von Mangelernährung betroffen, insbesondere ältere Personen. Ab dem Jahr 2027 wird ein verpflichtendes Screening zur Erkennung von Mangelernährung in Krankenhäusern eingeführt, um die Patientensicherheit zu erhöhen.

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Die Deutsche Gesellschaft für Ernährungsmedizin (DGEM) schätzt, dass in deutschen Kliniken jährlich etwa 200.000 Menschen aufgrund von Mangelernährung sterben. Besonders gefährdet sind ältere Menschen. Ein systematisches Ernährungsmanagement könnte schätzungsweise 55.000 dieser Todesfälle pro Jahr verhindern.

Der Bundestag hat im Rahmen des Krankenhausreformanpassungsgesetzes die Einführung eines verpflichtenden Screenings zur Identifikation von Mangelernährung beschlossen.

Bereits bei der Aufnahme sind rund 25 Prozent der Patienten mangelernährt, was gravierende Folgen für die Genesung hat. In Hamburg verfolgt das Universitätsklinikum ein eigenes Konzept zur Bekämpfung dieses Problems.

Ursachen der Mangelernährung bei älteren Menschen

Mangelernährung bedeutet, dass der Körper über längere Zeit nicht ausreichend mit Energie, Eiweiß, Vitaminen oder Mineralstoffen versorgt wird. Dies kann auch Menschen mit normalem oder übermäßigem Gewicht betreffen.

Ältere Menschen sind besonders häufig betroffen, was auf verschiedene Faktoren zurückzuführen ist, wie Einsamkeit, eingeschränkte Mobilität oder die Einnahme von Medikamenten. Zudem verändert sich der Körper im Alter: Der Appetit kann abnehmen, und die Sinne für Geschmack und Geruch lassen nach. Auch der Energiebedarf sinkt, während der Bedarf an Nährstoffen wie Eiweiß und Vitaminen gleich bleibt oder sogar steigt.

  • Etwa fünf Prozent der älteren Menschen, die zu Hause leben, sind laut DGEM mangelernährt.
  • In Krankenhäusern oder Rehabilitationskliniken sind es sogar über zwei Drittel der älteren Patienten.

Folgen der Mangelernährung

Die Auswirkungen von Mangelernährung sind gravierend. Ältere Menschen sind anfälliger für Krankheiten, und eine bestehende Erkrankung erschwert die Zubereitung gesunder Mahlzeiten. Dies führt zu einem Teufelskreis: Zunehmende Immobilität und Schwäche verstärken die Mangelernährung.

Ein Nährstoffmangel schwächt das Immunsystem, verlangsamt die Wundheilung und beschleunigt den Muskelabbau. Auch die kognitive Funktion kann beeinträchtigt werden, was zu Konzentrationsstörungen und Verwirrtheit führt. Es ist wichtig, dass Angehörige, Pflegekräfte und Hausärzte für die Symptome sensibilisiert werden.

Neues Screening zur Mangelernährung

Der Deutsche Bundestag hat beschlossen, dass in Zukunft ein Screening zur Erkennung von Mangelernährung in allen deutschen Krankenhäusern verpflichtend wird. Bis Ende 2027 soll der Gemeinsame Bundesausschuss (GBA) eine Qualitätssicherungs-Richtlinie erarbeiten.

Die Richtlinie wird voraussichtlich drei Schwerpunkte haben:

  • Untersuchung der Patienten auf Mangelernährung bei der Einweisung ins Krankenhaus.
  • Schulung und Einstellung von qualifiziertem Personal.
  • Entwicklung strukturierter Therapie- und Diätpläne für betroffene Patienten.

Gert Bischoff, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin, betont die Bedeutung dieses Schrittes: „Ein verpflichtendes Ernährungsscreening kann dazu beitragen, betroffene Patientinnen und Patienten frühzeitig zu identifizieren und gezielt zu behandeln.“

Der Beschluss wurde am 6. März gefasst, wobei die Initiative nicht von der Bundesgesundheitsministerin, sondern von Fachpolitikerinnen im Gesundheitsausschuss des Bundestages ausging.

Ein überfälliger Schritt

Ernährungsfachleute und Mediziner begrüßen die Entscheidung. Geriater Martin Willkomm äußerte in einer NDR-Sendung: „Ein einfaches Screening, das nur wenige Minuten dauert, kann für den Patienten lebensentscheidend sein. Wenn ein Ernährungsdefizit nicht erkannt wird, bleibt ein erheblicher Risikofaktor für die Genesung bestehen.“

Das Thema Mangelernährung wird seit Jahrzehnten diskutiert, jedoch gab es lange Zeit kaum Fortschritte. Experten fordern zudem eine Verbesserung der Qualität des Krankenhausessens, da viele Kliniken nicht ausreichend nährstoffreiche Kost anbieten.

Bereits 2019 veröffentlichte der Schweizer Ernährungsmediziner Philipp Schütz die EFFORT-Studie, in der 2.000 Patienten mit Mangelernährung untersucht wurden. Die Hälfte erhielt die übliche Krankenhauskost, die andere Hälfte wurde ernährungsmedizinisch betreut und erhielt angepasste Mahlzeiten.

Das Ergebnis zeigte, dass die Patienten mit bedarfsgerechter Ernährung signifikant weniger Komplikationen und Infektionen hatten. Ihr Risiko, aufgrund ihrer Erkrankung zu sterben, war um 35 Prozent geringer.

Herausforderungen bei der Umsetzung

Einige Krankenhäuser, wie das Universitätsklinikum in Hamburg, führen bereits umfassende Untersuchungen auf Mangelernährung durch. Dennoch ist dies noch nicht flächendeckend etabliert. Die Einführung eines verpflichtenden Screenings und die Verbesserung der Qualität des Krankenhausessens werden voraussichtlich Zeit in Anspruch nehmen.

In vielen Kliniken mangelt es an qualifiziertem Personal und finanziellen Mitteln für gesunde Lebensmittel und Essenskonzepte. Philipp Schütz betont: „Es wird eindeutig an der falschen Stelle gespart. Investitionen in die Ernährungsmedizin bringen mehr Nutzen als in anderen Bereichen. Unsere Berechnungen zeigen, dass Ernährungsinterventionen praktisch kostenlos sind und sogar Geld sparen können.“

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährungsmedizin schätzt die potenziellen gesamtgesellschaftlichen Einsparungen für das Jahr 2023 auf etwa 8,6 Milliarden Euro, bedingt durch die Vermeidung von Folgekomplikationen und kürzeren Krankenhausaufenthalten.

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