Die Kreuzfahrtindustrie erlebt einen ungebrochenen Boom, doch die aktuelle Bewertung der Umweltauswirkungen durch den Naturschutzbund Deutschland (NABU) zeigt, dass die Branche noch einen weiten Weg zur Erreichung von Klimaneutralität vor sich hat. Trotz der anhaltenden Popularität von Hochseekreuzfahrten bleibt die ökologische Bilanz der Reedereien alarmierend.
Das aktuelle Umweltranking verdeutlicht, dass im letzten Jahr nur begrenzte Fortschritte erzielt wurden. Zwar investiert die Branche in die Verbesserung der Energieeffizienz und den Ausbau von Landstromanschlüssen, jedoch bleibt der entscheidende Schritt zur Dekarbonisierung, der Umstieg auf klimaneutrale Kraftstoffe und der Verzicht auf Schweröl, weitgehend ungenutzt.
„Da sei leider sehr wenig passiert“, äußerte Raija Koch, die Schiffahrtsexpertin des NABU.
Leistungsbewertung der Reedereien
Im Umweltranking des NABU schneiden die norwegischen Reedereien Havila und Hurtigruten am besten ab. Diese Unternehmen bieten, wie bereits in den Vorjahren, die umweltfreundlichsten Kreuzfahrten an.
Sönke Diesener, NABU-Schifffahrtsexperte, wies darauf hin, dass selbst diese Bestplatzierten nicht einmal die Hälfte der maximal möglichen Punkte erreichen. „Man kann hier 17 Punkte erreichen und die Besten erreichen 7,5“, so Diesener.
Ranking und Platzierungen
Die Bewertung erfolgte anhand verschiedener Kriterien, darunter der Verzicht auf Schweröl als Brennstoff, der Einsatz von Landstrom und Stickoxidkatalysatoren sowie andere Maßnahmen zur Luftreinhaltung und Effizienz. Die Ergebnisse basieren auf den freiwilligen Angaben von 15 befragten Reedereien. Besonders negativ fielen die britische Marella, Royal Caribbean und Norwegian Cruise Line auf, während Marella als Schlusslicht im Ranking eingestuft wurde. Im Vergleich erreichten die französische Reederei Ponant sowie die deutschen Anbieter TUI Cruises und Aida Cruises den dritten Platz.
Herausforderungen der Branche
„Wir sind noch auf einem sehr, sehr weiten Weg, bis man sagen kann, Kreuzfahrt funktioniert klimaneutral und umweltfreundlich“, stellte Diesener fest. Der größte Hinderungsgrund bleibt der Einsatz fossiler Brennstoffe, insbesondere das stark umweltbelastende Schweröl, das nach wie vor von der Hälfte der großen Kreuzfahrtschiffe verwendet wird.
Koch betonte, dass kein einziges Kreuzfahrtschiff über Rußpartikelfilter verfüge.
Einzig die Reedereien Havila, Hurtigruten, Ponant und HX Expeditions verzichten vollständig auf Schweröl.
Hamburgs Landstrominitiative
Malte Siegert, der Vorsitzende des NABU Hamburg, merkte an, dass Hamburg mit seiner Landstrompflicht ab 2027 für technisch entsprechend ausgestattete Kreuzfahrtschiffe den europäischen Regelungen um Jahre voraus sei. Dennoch kritisierte er, dass zahlreiche Kreuzfahrtschiffe ohne Landstromanschluss weiterhin ihre Hilfsmotoren am Hafen betreiben dürfen. Er fordert ein Anlaufverbot für solche Schiffe.
Rückblick auf frühere Preise
Der NABU beschäftigt sich bereits seit 2011 intensiv mit den ökologischen Folgen des Kreuzfahrttourismus. Zu Beginn vergab die Organisation den Schmähpreis „Dinosaurier des Jahres“ an die Reedereien Aida und TUI Cruises, mit der Begründung, dass ihre „weißen Flotten“ in Wirklichkeit „schmutzige Rußschleudern“ seien. Damals wurde festgestellt, dass ein einziger Ozeanriese so viele Emissionen verursachen kann wie fünf Millionen Autos.
Fortschritte im Umweltschutz
Inzwischen haben einige Unternehmen Fortschritte erzielt.
Dirk Inger, Leiter für politische Interessenvertretung bei Aida Cruises, erklärte, dass Aida den Einsatz biobasierter Kraftstoffe weiter ausbauen wolle.
Auch MSC Cruises berichtete über messbare Erfolge auf dem Weg zur Netto-Null-Bilanz bei den Treibhausgasemissionen bis 2050. So wurde allein im letzten Jahr der CO2-Ausstoß der Flotte um 52.300 Tonnen gesenkt.
Wachstum der Kreuzfahrtbranche
Trotz der ökologischen Herausforderungen steigt die Zahl der Kreuzfahrtpassagiere weltweit. Laut dem Branchenverband CLIA wurden im letzten Jahr 37,2 Millionen Urlauber gezählt, was einem Anstieg von 7,5 Prozent im Vergleich zu 2024 entspricht. Das Bremer Institut für Seeverkehrswirtschaft und Logistik schätzt, dass mittlerweile über 420 Kreuzfahrtschiffe die Weltmeere befahren. Deutschland hat sich dabei als der zweitwichtigste Kreuzfahrtmarkt nach den USA etabliert.
Kommentar zur aktuellen Situation
Kreuzfahrtschiffe werden oft schneller verurteilt, als die Fakten es hergeben. Ja, jede Reise verursacht Emissionen – aber die Kreuzfahrtbranche investiert seit Jahren in Landstrom, effizientere Technologien und alternative Kraftstoffe. Gleichzeitig wird bei anderen Urlaubsformen oft nicht der gesamte CO₂-Fußabdruck betrachtet. Wir wünschen uns deshalb eine faire, faktenbasierte Diskussion statt pauschaler Vorurteile.
Kreuzfahrtanbieter im Umwelttest: Wer schneidet am besten ab? (Münchener Echo)
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Quellen: mopo
Bildquelle: KI generiert
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