Der Reaktorunfall von Tschernobyl gilt als die schwerste Nuklearkatastrophe in der Geschichte. Die Auswirkungen dieser Katastrophe führten zu einer erheblichen Verstrahlung in Europa. Doch wie viel von dieser Strahlung ist in Deutschland nach 40 Jahren noch nachweisbar? Im Folgenden werden die wichtigsten Erkenntnisse zusammengefasst.
Die Unsicherheit und die Angst vor Strahlenbelastung sind nach wie vor groß. Die Folgen des Reaktorunfalls von Tschernobyl, der sich vor 40 Jahren ereignete, waren bis nach Deutschland spürbar. Es stellt sich die Frage, ob in Deutschland noch immer erhöhte Strahlenwerte vorhanden sind und ob Bedenken hinsichtlich bestimmter Lebensmittel gerechtfertigt sind. Diese Fragen werden im Radioökologie-Labor des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) untersucht.
Was ist radioaktive Strahlung?
Radioaktive Strahlung entsteht, wenn Atomkerne zerfallen oder gespalten werden. Laut dem Bundesamt für Strahlenschutz gibt es drei Hauptarten von Strahlung: Alpha-, Beta- und Gammastrahlung. Diese Strahlungsarten unterscheiden sich in ihren Eigenschaften. Martin Steiner, der Leiter des Fachgebiets Radioökologie beim BfS, erklärt, dass Gammastrahlung in der Lage ist, Haut und Kleidung zu durchdringen, während Alphastrahlung bereits durch ein Blatt Papier oder einige Zentimeter Luft aufgehalten werden kann. Alpha- und Betastrahlung gelangen hauptsächlich über kontaminierte Lebensmittel in den Körper. Alle drei Strahlungsarten können gesundheitliche Schäden verursachen, wenn sie in den Organismus gelangen.
Ist die Strahlungsbelastung in Deutschland gefährlich?
Die Frage nach der zusätzlichen Strahlenbelastung durch Tschernobyl wird von Steiner mit einer Entwarnung beantwortet. In Deutschland sei die durch den Reaktorunfall verursachte zusätzliche Strahlenbelastung gering. Es seien keine gesundheitlichen Auswirkungen zu befürchten. Die zusätzliche Strahlenbelastung seit 1986 entspreche etwa der natürlichen Strahlenbelastung eines Jahres. Ein 80-jähriger Mensch, der in Deutschland lebt, habe in seinem Leben einer Strahlenbelastung ausgesetzt, die 81 Jahren natürlicher Strahlung entspreche.
Wie kam die Radioaktivität nach Deutschland?
Bei dem Reaktorunfall 1986 gelangten laut BfS radioaktive Stoffe wie Jod, Cäsium, Strontium und Plutonium in die Atmosphäre. Heute ist in Deutschland vor allem Cäsium-137 von Bedeutung. Die Verteilung der Radioaktivität hing nicht nur von der Entfernung zum Ursprungsort ab, sondern auch von Wetterbedingungen wie Wind und Niederschlag. Die Wolke mit den radioaktiven Stoffen zog zunächst in verschiedene Richtungen, und Regen spülte diese Stoffe in Böden, insbesondere im Süden Deutschlands. Daher sind Gebiete südlich der Donau und im Bayerischen Wald stärker belastet als in Norddeutschland oder im Osten.
Wie steht es um die radioaktive Belastung landwirtschaftlicher Erzeugnisse?
Einige radioaktive Stoffe, wie Jod-131, sind aufgrund ihrer kurzen Halbwertszeit heute nicht mehr relevant. Bei anderen Stoffen, wie dem radioaktiven Cäsium, ist die Situation komplizierter. Cäsium, das vor 40 Jahren durch Regen in den Ackerboden gelangte, wird von bestimmten Tonmineralen im Boden gebunden, was bedeutet, dass Pflanzen es nur in geringem Maße aufnehmen. Im Wald hingegen gibt es Mineralböden, in denen das Cäsium von Organismen wie Pilzen und Pflanzen leichter aufgenommen werden kann. Tiere, die sich von diesen Organismen ernähren, sind ebenfalls betroffen, insbesondere Wildschweine, die aufgrund ihres speziellen Essverhaltens eine höhere Belastung aufweisen.
Wie viele Wildschweine sind betroffen?
Eine genaue Zahl, wie viele Wildschweine eine hohe Strahlenbelastung aufweisen, ist schwer zu ermitteln. Das Bundesverwaltungsamt erstattet Jägerinnen und Jägern für Wild, das aufgrund der Strahlenwerte nicht verkauft werden darf. Im vergangenen Jahr waren das deutschlandweit 2927 Tiere, wobei der größte Teil, nämlich 2308 Tiere, aus Bayern stammte, was etwa 80 Prozent ausmacht. Im Vergleich dazu werden in Deutschland jährlich mehrere hunderttausend Wildschweine erlegt, sodass nur ein kleiner Teil belastet ist.
Kann man Pilze und Wild bedenkenlos konsumieren?
Eva Kabai, die Leiterin des Radioökologie-Labors, führt regelmäßige Messungen zur radioaktiven Belastung von Lebensmitteln durch. Sie zeigt sich gelassen, wenn es um den Verzehr von Pilzen geht. Ihrer Meinung nach muss sich niemand Sorgen machen, solange man nicht übermäßig belastete Pilze oder Wild zu sich nimmt. Die erhöhte radioaktive Belastung ist nur in bestimmten selbst gesammelten oder erlegten Lebensmitteln zu finden. Lebensmittel, die im Supermarkt verkauft werden, unterliegen strengen Richtlinien, die auch Grenzwerte für die radioaktive Belastung beinhalten.
Ein weiterer interessanter Aspekt der Geschichte ist der Regierungsbunker im Ahrtal, der als Relikt aus der Zeit des Kalten Krieges betrachtet wird.
„`
Bildquelle: depositphotos