Nachrichten aus Köln und der Region

Aktuelles Echo
Live-Ticker: Ukraine Krieg: Russland greift ukrainisches Bahnnetz an, Polen alarmiert Live-Ticker: Ukraine Krieg: Russland greift ukrainisches Bahnnetz an, Polen alarmiert Vor 3 Stunden NRW erhöht Zuschüsse um 45 Millionen Euro für Polizei und Feuerwehrkräfte NRW erhöht Zuschüsse um 45 Millionen Euro für Polizei und Feuerwehrkräfte Vor 14 Stunden König Charles und die Bedeutung einer besonderen Freundschaft König Charles und die Bedeutung einer besonderen Freundschaft Vor 1 Tag Der größte Flugzeugträger der Welt im Wert von über 13 Milliarden Dollar rückt der Vollendung näher Der größte Flugzeugträger der Welt im Wert von über 13 Milliarden Dollar rückt der Vollendung näher Vor 1 Tag Zwangsversteigerung eines historischen Gebäudes in der Kölner Altstadt Zwangsversteigerung eines historischen Gebäudes in der Kölner Altstadt Vor 2 Tagen Italienische Politikerin und frühere EU-Kommissarin Emma Bonino verstorben. Italienische Politikerin und frühere EU-Kommissarin Emma Bonino verstorben. Vor 2 Tagen Reform der gesetzlichen Krankenversicherung: Wichtige Änderungen bei Zuzahlungen und Zahnersatz ab 2027 – Kölner Echo Reform der gesetzlichen Krankenversicherung: Wichtige Änderungen bei Zuzahlungen und Zahnersatz ab 2027 – Kölner Echo Vor 2 Tagen Prinzessin Astrid von Norwegen: Trauer um die letzte Schwester von König Harald V. Prinzessin Astrid von Norwegen: Trauer um die letzte Schwester von König Harald V. Vor 2 Tagen Nachsommerliche Hitzewelle: Deutschland erlebt warme Tage vor dem Herbst Nachsommerliche Hitzewelle: Deutschland erlebt warme Tage vor dem Herbst Vor 2 Tagen 37-Jähriger verletzt bei Kollision zwischen mehreren Fahrzeugen in Duisburg 37-Jähriger verletzt bei Kollision zwischen mehreren Fahrzeugen in Duisburg Vor 2 Tagen

Rente: Rentner bekommen 63 Euro Ticket für 27 Euro

Rentner, die Grundsicherung beziehen, profitieren in einigen Städten von einem stark reduzierten Deutschlandticket. Doch viele Senioren, die nur knapp über der Grenze liegen, bleiben außen vor und müssen den vollen Preis zahlen, was ihre Mobilität erheblich einschränkt.

Rente: Rentner bekommen 63 Euro Ticket für 27 Euro
depositphotos

In Deutschland haben Rentner, die Grundsicherung im Alter beziehen, die Möglichkeit, in vielen Städten ein vergünstigtes Deutschlandticket zu erwerben. In Hamburg kostet dieses Ticket 27,50 Euro, in Hannover 35,40 Euro und in Hessen 44 Euro. Für Rentner, die keine Grundsicherung erhalten, liegt der Preis bei 63 Euro – dem vollen Preis. Es gibt keinen gleitenden Übergang oder Härtefallregelungen.

🎁 Gewinnspiel

Jetzt Newsletter abonnieren und gewinnen!

Melde dich zum kostenlosen Newsletter an und nimm automatisch an unserem Gewinnspiel teil. Wir verlosen 500 × 100 € Wunschgutscheine unter allen Abonnenten.

Diese Regelung trifft insbesondere die Menschen, die am wenigsten finanziellen Spielraum haben: Rentnerinnen und Rentner, deren Einkommen nur knapp über dem Existenzminimum liegt.

Das Konzept des Deutschlandtickets Sozial basiert auf einem einfachen Prinzip: Wer einen Leistungsbescheid vorlegen kann, etwa für Grundsicherung, Bürgergeld oder Wohngeld, erhält das Ticket zu einem ermäßigten Preis. Wer keinen solchen Bescheid hat, muss den regulären Preis zahlen. Diese Regelung führt in der Praxis jedoch zu einer absurden Situation.

Eine Rentnerin mit einer Rente von 980 Euro und Anspruch auf Grundsicherung kann für 27,50 Euro durch ganz Deutschland reisen. Ihre Nachbarin, die 1.050 Euro Rente erhält – also 70 Euro mehr im Monat – muss 63 Euro für dasselbe Ticket bezahlen. Am Ende bleibt der Nachbarin mit der höheren Rente weniger Geld zur Verfügung als der Frau, die Grundsicherung erhält.

Die vergessene Gruppe: Zu reich für Hilfe, zu arm für 63 Euro

Helga M., 72 Jahre alt und wohnhaft in Essen, erhält eine Rente von 1.060 Euro. Ihre Warmmiete beträgt 580 Euro. Nach Abzug von Miete, Strom und Versicherungen bleiben ihr etwa 320 Euro für alle weiteren Ausgaben – wie Essen, Kleidung, Medikamentenzuzahlungen und Telefon. Ein Deutschlandticket für 63 Euro im Monat würde fast ein Fünftel dieses Restbetrags aufbrauchen.

Helga M. hat keinen Anspruch auf Grundsicherung, da ihre Rente rechnerisch um etwa 40 Euro über dem Bedarf liegt. Sie hat auch keinen Wohngeldbescheid, weil ihr Einkommen in Essen nur knapp über der Wohngeldgrenze liegt. Daher bleibt ihr der Zugang zu einem Sozialticket verwehrt, was bedeutet, dass sie zu Hause bleibt und die 63 Euro, die sie nicht hat, spart, indem sie auf Mobilität verzichtet.

Helga M. ist kein Einzelfall. Die Durchschnittsrente von Frauen in Deutschland liegt bei 801 Euro monatlich. Über zehn Millionen Rentenempfänger erhalten weniger als 1.100 Euro. Viele von ihnen befinden sich in einer Situation, für die das System keinen Schutz bietet:

  • Sie verdienen zu viel für Grundsicherung, haben jedoch zu wenig, um den Alltag ohne Einschränkungen zu bewältigen.
  • Der Regelsatz der Grundsicherung beträgt 563 Euro. Der rechnerische Gesamtbedarf einer alleinstehenden Person liegt je nach Wohnort zwischen 1.000 und 1.250 Euro.

Wer eine Rente von 1.100 Euro hat und in einer Stadt mit hohen Mietkosten lebt, kommt rechnerisch gerade so über die Grenze. Aber eben nur rechnerisch.

Hamburg zeigt einen anderen Weg

Ab dem 1. Mai 2026 können alle Hamburgerinnen und Hamburger ab 67 Jahren das Deutschlandticket für 49 Euro im Monat erwerben. Es erfolgt keine Einkommensprüfung, kein Leistungsbescheid und kein Gang zum Amt.

Die einzige Voraussetzung ist der Wohnsitz in Hamburg und das Erreichen des Alters. Die Stadt übernimmt die Differenz zum regulären Preis von 63 Euro, was für die Stadt Kosten von rund 9 Millionen Euro pro Jahr verursacht. Wer zusätzlich den Hamburger Sozialrabatt in Anspruch nimmt, zahlt sogar nur 27,50 Euro.

Ein ähnliches Modell wird in Mecklenburg-Vorpommern angeboten: Dort erhalten Rentner ab 65 Jahren das Deutschlandticket für 43 Euro, ebenfalls ohne Einkommensprüfung. In beiden Fällen gilt das Ticket bundesweit im Nahverkehr. Diese beiden Bundesländer haben somit eine Lösung gefunden, die das Problem der vergessenen Gruppe zumindest teilweise entschärft.

In allen anderen Bundesländern existiert diese Option jedoch nicht. In Nordrhein-Westfalen, Bayern, Hessen, Baden-Württemberg, Niedersachsen und Sachsen müssen Rentner, die keinen Leistungsbescheid vorlegen können, den vollen Preis von 63 Euro zahlen. Ein bundesweiter Seniorentarif für das Deutschlandticket ist nicht vorhanden und wird auch 2026 nicht eingeführt.

Wohngeld als möglicher Ausweg

Es gibt einen Umweg: Wohngeld. Rentner, die Wohngeld beziehen, können in einigen Regionen darüber ein Sozialticket erhalten. In Berlin berechtigt ein Wohngeldbescheid zum Berlin-Ticket S für 27,50 Euro. In Nordrhein-Westfalen hängt es von der jeweiligen Kommune ab – einige Kreise akzeptieren Wohngeld als Zugangsnachweis zum Deutschlandticket Sozial für 53 Euro, andere nicht.

In Hessen ermöglicht der Hessenpass mobil, der automatisch an Wohngeldempfänger verschickt wird, den Zugang zum ermäßigten Deutschlandticket für 44 Euro. In Hannover kostet das Deutschlandticket Hannover sozial 35,40 Euro – ebenfalls zugänglich mit Wohngeldbescheid.

Das Problem ist jedoch, dass viele Rentner, die Anspruch auf Wohngeld hätten, dieses nicht beantragen. Die Gründe sind ähnlich wie bei der Grundsicherung – Unwissenheit, Scham und Angst vor Bürokratie. Selbst wer Wohngeld beantragt und erhält, hat keinen garantierten Zugang zum Sozialticket.

In Nordrhein-Westfalen entscheidet jede Kommune selbst, ob Wohngeldempfänger das Deutschlandticket Sozial erwerben dürfen. Eine Rentnerin in Aachen kann mit Wohngeldbescheid das Mobil-Ticket für 42 Euro kaufen, während eine Rentnerin in einer Nachbargemeinde ohne kommunale Regelung 63 Euro zahlen muss. Gleicher Landkreis, gleiches Einkommen, unterschiedlicher Preis.

Ein Flickenteppich an Sozialtickets

Der Paritätische Gesamtverband hat den aktuellen Zustand in einer Analyse zusammengefasst: Das Angebot an Sozialtickets in Deutschland gleicht einem Flickenteppich mit alarmierenden Lücken. Drei Bundesländer – Hamburg, Hessen und Nordrhein-Westfalen – sowie 28 Kommunen bieten eine vergünstigte Variante des Deutschlandtickets an.

Die Preise variieren von 15 Euro in Würzburg bis 53 Euro im VRR-Verbund. Insgesamt existieren mehr als 200 verschiedene lokale und regionale Sozialticket-Varianten mit unterschiedlichen Preisen, Berechtigungskriterien und Gültigkeitsbereichen.

Der Paritätische fordert ein bundesweit einheitliches Deutschlandticket Sozial für 25 Euro im Monat – für alle Bezieher von Sozialleistungen, einschließlich Grundsicherung im Alter, Wohngeld und Kinderzuschlag. Eine solche Regelung existiert jedoch nicht. Stattdessen bestimmen Verkehrsverbünde und Kommunen über die Zugangsvoraussetzungen.

Umzug kann den Anspruch auf ein Sozialticket gefährden

Eine besonders absurde Folge dieser Regelungen ist, dass ein Umzug innerhalb Deutschlands dazu führen kann, dass der Anspruch auf ein Sozialticket verloren geht – selbst bei unverändertem Einkommen. Was in Aachen 42 Euro kostet, kann in einer benachbarten Stadt möglicherweise 63 Euro kosten.

Die Dunkelziffer und ihre Auswirkungen

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung hat festgestellt, dass rund 60 Prozent aller Anspruchsberechtigten die Grundsicherung im Alter nicht in Anspruch nehmen – hochgerechnet etwa 625.000 Haushalte, die Monat für Monat auf Geld verzichten, das ihnen zusteht. Besonders hartnäckig hält sich die Annahme, dass die Kinder zur Kasse gebeten werden. Die 100.000-Euro-Grenze beim Unterhalt ist vielen nicht bekannt.

Für das Sozialticket hat diese Dunkelziffer direkte Konsequenzen. Wer seine Grundsicherung nicht beantragt, hat keinen Leistungsbescheid. Wer keinen Bescheid hat, erhält kein Sozialticket.

Diese Menschen leben unterhalb des Existenzminimums, haben einen Rechtsanspruch auf Grundsicherung – und zahlen dennoch den vollen Preis für den Nahverkehr.

Oder sie fahren gar nicht. Wer sich kein Ticket leisten kann, verschiebt Arzttermine, kauft im teuren Laden um die Ecke statt im günstigeren Supermarkt zwei Haltestellen weiter und trifft Freunde seltener. Die Wohnung wird zum Lebensmittelpunkt, der Aktionsradius schrumpft – und mit ihm die Teilhabe am Leben außerhalb der eigenen vier Wände.

Was Rentner mit kleiner Rente jetzt prüfen sollten

Die Lücke im System lässt sich individuell zumindest teilweise schließen. Wer unsicher ist, ob ein Anspruch auf Grundsicherung im Alter besteht, kann sich beim Sozialamt oder bei einer Sozialberatungsstelle von VdK oder SoVD beraten lassen.

Die Berechnung dauert nur wenige Tage. Die Unterhaltspflicht der Kinder greift erst ab einem Jahreseinkommen von 100.000 Euro – die weit verbreitete Annahme, das Sozialamt würde die Familie zur Kasse bitten, trifft in den meisten Fällen nicht zu.

Ebenso wird der Wohngeldanspruch oft unterschätzt. Seit der Wohngeldreform 2023 haben deutlich mehr Haushalte Anspruch als zuvor. Wer in einer Region lebt, in der Wohngeld den Zugang zum Sozialticket öffnet, kann mit einem einzigen Antrag nicht nur bei der Miete, sondern auch bei der Mobilität sparen. Die Wohngeldstelle der Gemeinde berechnet den Anspruch.

Ein Blick auf die Webseite des zuständigen Verkehrsverbunds zeigt, ob ein Wohngeldbescheid dort als Zugangsnachweis akzeptiert wird – unter Stichworten wie „Deutschlandticket Sozial” oder „Sozialticket” finden sich die konkreten Voraussetzungen.

Rentner in Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern sollten prüfen, ob sie die Altersgrenze für das jeweilige Seniorenticket erreicht haben. In Hamburg gilt die Vergünstigung ab 67 Jahren, in Mecklenburg-Vorpommern ab 65 Jahren – jeweils ohne Einkommensprüfung. Bestandskunden in Hamburg werden automatisch umgestellt.

Häufige Fragen zum Sozialticket für Rentner

  • Bekomme ich das Sozialticket automatisch, wenn meine Rente niedrig ist?
    Nein. Die Höhe der Rente spielt keine direkte Rolle. Entscheidend ist, ob ein Leistungsbescheid über Grundsicherung, Bürgergeld, Wohngeld oder vergleichbare Sozialleistungen vorliegt. Ohne Bescheid gibt es kein Sozialticket – unabhängig davon, wie wenig Rente jemand erhält.
  • Müssen meine Kinder zahlen, wenn ich Grundsicherung beantrage?
    Nur wenn ein Kind mehr als 100.000 Euro brutto im Jahr verdient. Diese Grenze wird selten überschritten. In der Praxis bleiben Kinder in der Regel außen vor.
  • Gibt es ein bundesweit einheitliches Sozialticket?
    Nein. Es gibt kein bundesweites Deutschlandticket Sozial mit einheitlichem Preis und einheitlichen Zugangsvoraussetzungen. Die Regelungen unterscheiden sich nach Bundesland, Verkehrsverbund und teilweise nach Kommune. Der Paritätische Gesamtverband und der VdK fordern ein solches Ticket seit Jahren – bisher ohne Ergebnis.
  • Was kostet das Deutschlandticket für Senioren in Hamburg?
    Ab dem 1. Mai 2026 zahlen Hamburger ab 67 Jahren 49 Euro statt 63 Euro. Wer zusätzlich den Sozialrabatt der Stadt erhält, zahlt 27,50 Euro. Eine Einkommensprüfung findet für das Seniorenticket nicht statt.
  • Öffnet ein Wohngeldbescheid überall den Zugang zum Sozialticket?
    Nein. In Berlin, Hessen und einigen Kommunen in Nordrhein-Westfalen ja. In anderen Regionen entscheidet die Kommune, ob Wohngeldempfänger berechtigt sind. Eine bundesweite Regel fehlt. Der Verkehrsverbund vor Ort gibt Auskunft über die geltenden Zugangsvoraussetzungen.

Bildquelle: depositphotos

Artikel teilen:

Empfehlungen für dich.