Der Geschäftsführer von Rewe, Lionel Souque, äußert sich kritisch zu den Preispolitiken großer Schokoladenhersteller. Er bemängelt, dass Unternehmen wie Lindt und Mondelēz die gesunkenen Rohstoffpreise nicht an die Verbraucher weitergeben.
Souque verweist auf die Entwicklung der Kakaopreise, die zuletzt stark angestiegen und nun wieder gefallen sind. Dennoch hätten die großen Markenhersteller ihre Preise erhöht. Er spricht von „extremen Fällen“ und nennt als Beispiel die „Alpenmilch“-Schokolade von Milka, deren Gewicht von 100 auf 90 Gramm reduziert wurde, während die Einkaufspreise für Händler gestiegen sind. Dies führe dazu, dass ein Verkaufspreis unter 1,99 Euro kaum möglich sei, was er als „irre“ bezeichnet.
Um dem entgegenzuwirken, hat Rewe bei seinen Eigenmarken die Preise gesenkt. So wurde der Preis für eine 100-Gramm-Tafel der günstigsten Eigenmarke von 89 auf 79 Cent reduziert.
Eigenmarken gewinnen an Bedeutung
Die Preisentwicklung hat auch Auswirkungen auf das Kaufverhalten der Kunden. Laut Souque verlieren Markenprodukte an Bedeutung, während die Umsätze mit Eigenmarken steigen. Im Jahr 2025 konnten die Rewe-Supermärkte ihre Erlöse mit Eigenmarken um etwa sechs Prozent steigern, und der Anteil dieser Produkte am Gesamtumsatz liegt mittlerweile bei knapp 30 Prozent.
Ein Grund für diese Entwicklung ist der wachsende Preisabstand zwischen Markenartikeln und Eigenmarken. Viele Kunden greifen nur noch im Sonderangebot zu Markenprodukten, da sie sich diese nicht immer leisten können. Dies wird auch durch die steigenden Produktionskosten verstärkt, die viele Verbraucher in ihrer Kaufentscheidung beeinflussen.
Konkurrenzdruck im Einzelhandel
Trotz der Kritik an den Herstellern sieht sich auch der Einzelhandel einem hohen Druck ausgesetzt. Viele Verbraucher empfinden Supermärkte wie Rewe als teurer im Vergleich zu Discountern. Souque widerspricht dieser Wahrnehmung und betont, dass Preisvergleiche zeigen, dass die Kosten für Kernsortimente kaum variieren. Rewe beobachtet die Preise wöchentlich und passt sich an, wenn Wettbewerber ihre Preise senken.
Die Konkurrenz durch Discounter wächst. Eine Umfrage zeigt, dass etwa ein Drittel der Menschen heute häufiger bei Discountern wie Lidl und Aldi einkauft als noch vor ein oder zwei Jahren. Diese Entwicklung hat auch Auswirkungen auf den Trainerwechsel beim 1. FC Köln, wo die finanziellen Rahmenbedingungen eine Rolle spielen.
Internationale Krisen und ihre Auswirkungen
Internationale Konflikte haben bislang kaum Einfluss auf die Lebensmittelpreise gehabt. Souque stellt fest, dass der Iran-Krieg bisher keine spürbaren Folgen für die Preise hatte, da im Gegensatz zum Ukraine-Krieg keine zentralen Rohstoffe betroffen sind. Sollte der Konflikt jedoch andauern, könnten die Kosten für Verpackungen steigen, was langfristig auch die Lebensmittelpreise beeinflussen könnte.
Insgesamt sind die Preise in den Rewe-Märkten zwischen März 2025 und März 2026 lediglich um etwa ein Prozent gestiegen.
Umsatzsteigerung, aber sinkender Gewinn
Die Rewe-Gruppe hat ihren Umsatz im Jahr 2025 um vier Prozent auf 100,4 Milliarden Euro gesteigert, wobei insbesondere die Touristiksparte Dertour stark wuchs. Dennoch sank der Gewinn auf 525 Millionen Euro, was unter anderem auf Investitionen in Rabatt-Apps zurückzuführen ist, die mittlerweile von etwa 18 Millionen Menschen genutzt werden. Zudem ist die Gefahr von KI-Betrug ein Thema, das viele Verbraucher beschäftigt.
Der Konzern betreibt in Deutschland rund 3.800 Rewe-Märkte und mehr als 2.100 Penny-Filialen und beschäftigt etwa 272.000 Mitarbeiter.
Quellen: t-online, stern, Der Spiegel
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