Im ganzen Land regt sich Widerstand gegen Rechenzentren, die nicht nur durch Lärmemissionen, sondern auch durch hohen Wasserverbrauch und Luftverschmutzung in der Kritik stehen. Diese Anlagen stehen häufig in Wohngebieten, was die Anwohner verärgert – und das über politische Grenzen hinweg.
Hari Doue beschreibt das Geräusch, das von dem Rechenzentrum ausgeht, als „heulend“ und „hoch“, vergleichbar mit dem Lärm eines Flugzeugs oder einer dauerhaft laufenden Maschine. Dieses Rechenzentrum befindet sich nur etwa 150 Meter von ihrem Wohnhaus entfernt und nahm vor einem Jahr seinen Betrieb auf.
Die örtliche Energieversorgung kann nicht genug Strom für die Vielzahl der Rechenzentren bereitstellen, die in der Region Northern Virginia entstanden sind. Daher ist die Anlage im Notbetrieb und bezieht ihren Strom über eigene Gasturbinen. Bei hohen Temperaturen kommen Dieselgeneratoren zum Einsatz, was zusätzlich Lärm und Luftverschmutzung verursacht.
Steigender Bedarf an Rechenleistung und die Folgen
Die wachsende Nutzung von Cloud-Diensten, Online-Shopping und der Aufstieg Künstlicher Intelligenz führen zu einer stetig steigenden Nachfrage nach Rechenleistung. Die amerikanische Politik, angeführt von Präsident Donald Trump, fördert diese Entwicklung, indem sie strenge Regulierungen für die Technologie ablehnt. Die Verantwortung für die Regulierung von Rechenzentren liegt jedoch bei den Gemeinden und Bundesstaaten.
In Northern Virginia sind mittlerweile fast 600 Rechenzentren in Betrieb oder in der Planung. Gleichzeitig formiert sich der Widerstand; allein im Bundesstaat New York sah sich Gouverneurin Kathy Hochul gezwungen, einen einjährigen Baustopp für Anlagen mit einem Verbrauch von über 49 Megawatt zu verhängen.
Ein breites Bündnis gegen Rechenzentren
Der Protest gegen Rechenzentren zieht mittlerweile Menschen aus unterschiedlichen politischen Lagern an. Umfragen belegen, dass auch viele Republikaner gegen den Bau dieser Einrichtungen in Wohngebieten sind.
In Frederick, einer Kleinstadt nahe Washington, fand ein landesweiter Protesttag statt, bei dem zahlreiche Bürger, die nicht dem typischen Aktivismus zuzuordnen sind, sich für ihre Anliegen einsetzten. Elyse Wilson, eine der Mitorganisatorinnen, ist überzeugt, dass die Problematik parteiübergreifend auf Widerstand stößt. Charles Zitrick, ein Lehrer und Anwohner, stimmt ihr zu und hebt hervor, dass in seiner kleinen Gemeinde alle politischen Strömungen vereint sind: „Das hat uns miteinander ins Gespräch gebracht, seit Jahren zum ersten Mal.“
Paula D’Amico Hollewa, eine Republikanerin, äußert, dass es um das Recht aller Menschen gehe, in einer gesunden Umgebung zu leben. Ihrer Ansicht nach sollten Rechenzentren nicht in Wohngebieten, sondern besser entlang von Hauptverkehrsstraßen platziert werden.
Mobilisierung durch konservative Gruppen
Die Proteste wurden von der Organisation „Humans First“ ins Leben gerufen, die von Amy Kremer geleitet wird, einer bekannten Aktivistin aus dem konservativen politischen Spektrum. Kremer ist eine langjährige Unterstützerin von Donald Trump und hat sich auch mit den Protesten am 6. Januar 2021 in Washington beschäftigt.
Mit „Humans First“ zielt Kremer darauf ab, vor allem konservative Bürger gegen die Rechenzentren zu mobilisieren, während sie gleichzeitig explizit auch andere Interessierte einlädt, sich anzuschließen. Sie äußert Bedenken hinsichtlich der rasanten Entwicklung der Künstlichen Intelligenz und sieht die Notwendigkeit von Regulierungen für die Tech-Unternehmen, die ihrer Meinung nach zu wenig Verantwortung tragen.
Politik reagiert auf die Bedenken der Bürger
Die zunehmenden Proteste erinnern an das NIMBY-Phänomen (Not in my backyard), bei dem selbst technikaffine Bürger gegen die Ansiedlung von Rechenzentren in ihrer Umgebung sind, obwohl sie auf die Dienste dieser Einrichtungen angewiesen sind.
Immer mehr Politiker erkennen die Sorgen der Bevölkerung und das Potenzial dieser Protestbewegung. Die Rechenzentren verbrauchen erhebliche Mengen an Wasser und Energie, verursachen Lärm und tragen zur Luftverschmutzung bei, was sich auch negativ auf die Energiepreise auswirken kann. Einige Befürworter der Ansiedlung von Rechenzentren haben bereits in den Vorwahlen der laufenden Wahlperiode Konsequenzen zu spüren bekommen.
Präsident Trump hat zwar den Plan, den Tech-Unternehmen weitgehende Freiheiten zu gewähren, um den Vorsprung der USA in der Künstlichen Intelligenz zu sichern, doch auch er bemerkt, dass sich die öffentliche Meinung gewandelt hat. Seine Vorschläge, dass Rechenzentren künftig bevorzugt ihre eigene Energie erzeugen sollten, um das überlastete Stromnetz zu entlasten, stoßen auf Skepsis.
Für Hari Doue und ihre Familie in Sterling bleibt die Realität jedoch unverändert: Die drohende Erhöhung der Anzahl der Rechenzentren würde lediglich die Lärmbelästigung und die Umweltverschmutzung in der Nachbarschaft verstärken.
Quellen: tagesschau, web