Wasserknappheit, Klimawandel und das Verschwinden von Arten sind nicht nur Umweltprobleme, sondern auch Anzeichen für eine überlastete Erde. Eine aktuelle Studie warnt, dass die gegenwärtige Weltbevölkerung weit über dem liegt, was langfristig tragfähig ist. Ohne grundlegende Veränderungen drohen ernsthafte Krisen.
Die Erde ist für die Menschheit bereits jetzt zu klein geworden, wenn der Ressourcenverbrauch auf dem aktuellen Niveau bleibt. Zu diesem Ergebnis kommt ein Forschungsteam unter der Leitung von Corey Bradshaw von der Flinders University in Australien. Laut der neuen Studie lebt die Weltbevölkerung bereits über den Grenzen dessen, was der Planet auf Dauer verkraften kann.
Die Ergebnisse wurden im Fachjournal Environmental Research Letters veröffentlicht. Die Forscher haben Bevölkerungsdaten aus mehr als 200 Jahren analysiert und ermittelt, wie viele Menschen die Erde langfristig tragen kann. Dabei unterscheiden sie zwischen einer maximalen und einer optimalen Tragfähigkeit. Die maximale Tragfähigkeit liegt ihren Berechnungen zufolge bei etwa 12 Milliarden Menschen, allerdings nur unter Bedingungen von Hunger, Krankheiten oder Konflikten. Die „optimale“ Tragfähigkeit, die einen nachhaltigen Lebensstandard gewährleistet, schätzen die Wissenschaftler auf lediglich 2,5 Milliarden Menschen.
„Die Erde kann mit der Art und Weise, wie wir Ressourcen nutzen, nicht Schritt halten“, erklärt Studienautor Bradshaw. „Sie kann nicht einmal die heutige Nachfrage ohne grundlegende Veränderungen tragen. Unsere Ergebnisse zeigen, dass wir den Planeten stärker belasten, als er überhaupt verkraften kann.“
Bevölkerungswachstum und fossile Energien
Die Forscher stellen fest, dass vor allem die Nutzung fossiler Energien das rapide Bevölkerungswachstum im 20. Jahrhundert ermöglicht hat. Kohle, Öl und Gas haben es der Menschheit ermöglicht, mehr Lebensmittel zu produzieren, mehr Güter zu transportieren und mehr Menschen zu versorgen, als es mit erneuerbaren Ressourcen allein möglich gewesen wäre. Die Studie kritisiert, dass die gegenwärtigen Wirtschaftssysteme, die auf ständigem Wachstum basieren, die regenerativen Grenzen der Erde ignorieren, da fossile Brennstoffe diese Lücke künstlich schließen.
Die Entwicklung der Weltbevölkerung hat sich ebenfalls verändert: Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts wuchs die Bevölkerung rasant. Seit den 1960er-Jahren nimmt die Zahl zwar weiterhin zu, jedoch hat sich das Wachstum verlangsamt. Bradshaw bezeichnet dies als den Beginn einer „negativen demografischen Phase“.
Ökologische Grenzen und Warnsignale
Für die Forscher ist das verlangsamte Wachstum kein Grund zur Entwarnung, sondern vielmehr ein Warnsignal. Sie sehen darin ein Indiz dafür, dass die Menschheit bereits an ökologische Grenzen stößt. Mehr Menschen führen nicht zwangsläufig zu schnellerem Wachstum, da Ressourcen, Lebensräume und Versorgungssysteme zunehmend unter Druck geraten. Sollte dieser Trend anhalten, könnte die Weltbevölkerung laut der Studie bereits in den späten 2060er- oder 2070er-Jahren ihren Höhepunkt bei etwa 11,7 bis 12,4 Milliarden erreichen.
„Die lebenserhaltenden Systeme des Planeten stehen bereits unter Druck, und ohne rasche Veränderungen bei der Nutzung von Energie, Land und Nahrung werden Milliarden Menschen mit wachsender Instabilität konfrontiert sein“, warnt Bradshaw.
Handlungsbedarf und mögliche Lösungen
Trotz der alarmierenden Ergebnisse sieht die Studie auch Hoffnung. Die Forscher betonen, dass es noch Spielraum für Gegenmaßnahmen gibt. „Die Erde kann die künftige menschliche Bevölkerung – ja nicht einmal die heutige – ohne einen grundlegenden Wandel im Umgang mit Land, Wasser, Energie, Biodiversität und anderen Ressourcen nicht tragen“, schreiben sie. Bradshaw fügt hinzu: „Kleinere Bevölkerungen bei geringerem Verbrauch führen zu besseren Ergebnissen – für die Menschen und für den Planeten.“ Das Zeitfenster für Veränderungen wird kleiner, „aber echte Veränderungen sind noch möglich, wenn Staaten zusammenarbeiten.“
Ein Beispiel für die Herausforderungen, die sich aus dem demografischen Wandel ergeben, ist der Fachkräftemangel in der Fleischwirtschaft, der eng mit den Veränderungen in der Bevölkerung verknüpft ist. Auch die langsame Evakuierung von Flugzeugen zeigt, wie ältere Menschen in Notfällen ein Risiko darstellen können. Zudem ist die Zunahme von Tuberkulosefällen in Europa ein besorgniserregendes Zeichen für die gesundheitlichen Herausforderungen, die mit dem Bevölkerungswachstum einhergehen.
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