Erstmals seit über einem halben Jahrhundert sind wieder Menschen auf dem Weg zum Mond. An Bord der Orion-Kapsel haben vier Astronauten am Weltraumbahnhof Cape Canaveral den Flug angetreten. Der Start verzögerte sich um einige Minuten.
Die Vereinigten Staaten haben nach mehr als 50 Jahren erneut Menschen zum Mond geschickt. Die 98 Meter hohe Rakete Space Launch System (SLS) hob am Mittwochabend um 18:35 Uhr Ortszeit (Donnerstagnacht 00:35 Uhr MESZ) vom Kennedy Space Center in Florida ab. Die Nasa-Astronauten Reid Wiseman, Victor Glover und Christina Koch sowie der Kanadier Jeremy Hansen werden zunächst die Erde umrunden, bevor sie zu ihrer zehntägigen Reise zum Mond aufbrechen.
Nach dem Start kam es kurzzeitig zu einem Kommunikationsausfall zwischen der Crew und dem Kontrollzentrum auf der Erde. Laut Nasa-Chef Jared Isaacman konnten die Astronauten die Stimmen aus dem Kontrollzentrum hören, jedoch war eine Rückmeldung nicht möglich. Das Problem wurde jedoch schnell behoben.
Mission mit Rekorddistanz
Die Crew wird den Mond nicht betreten, jedoch wird sie sich bis zu 406.000 Kilometer von der Erde entfernen – weiter als je zuvor ein Mensch. Der bisherige Rekord von etwa 400.000 Kilometern wurde 1970 von der Apollo-13-Mission aufgestellt, die aufgrund einer Sauerstofftank-Explosion nicht wie geplant auf dem Mond landen konnte.
Nach fast drei Jahren intensiven Trainings ist diese Crew die erste, die im Rahmen des milliardenschweren „Artemis“-Programms der Nasa ins All fliegt. Die Orion-Kapsel soll sich dreieinhalb Stunden nach dem Start von der oberen Stufe der SLS trennen. Die Astronauten werden dann die manuelle Steuerung übernehmen, um die Manövrierfähigkeit der Kapsel zu testen.
Test der kritischen Systeme
Der aktuelle Flug hat vor allem das Ziel, die kritischen Systeme der Orion-Kapsel zu testen. Dazu zählen neben den Navigations-, Kommunikations- und Lebenserhaltungssystemen auch der Hitzeschild, der die Kapsel beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre schützt. Die Nasa plant die erste bemannte Mondlandung im Jahr 2028 mit der Mission „Artemis IV“, die den ersten Besuch seit Apollo 17 im Jahr 1972 darstellen würde.
Kosten und Entwicklung der Rakete
Die Schwerlastrakete SLS wurde von den US-Unternehmen Boeing und Northrop Grumman entwickelt. Die Kosten pro Start werden auf zwei bis vier Milliarden Dollar geschätzt. Lockheed Martin ist für den Bau der Orion-Kapsel verantwortlich. Das Servicemodul, das den Antrieb sowie die Wasser- und Sauerstofftanks für die Crew enthält, wird im Bremer Airbus-Werk montiert.
Johannes Weppler, Koordinator für das „Artemis“-Projekt beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), betonte: „Das zeigt, dass Raumfahrt Made in Germany wirklich etwas zählt, auch in den USA.“ Das DLR trägt zudem mehrere Messgeräte bei, die in der Orion-Kapsel installiert sind, um Erkenntnisse über die körperliche Belastung von Astronauten durch Weltraumstrahlung zu gewinnen.
Wettbewerb im Weltraum
Die USA sind bislang das einzige Land, das Menschen auf einen anderen Himmelskörper gebracht hat. Die „Artemis 2“-Mission ist ein entscheidender Schritt für die USA, um ihre Führungsrolle im Weltraum angesichts des wachsenden Wettbewerbs mit China zu behaupten. Die Volksrepublik plant, bis 2030 eine eigene bemannte Mondlandung nach einer Reihe unbemannter Missionen durchzuführen.
Langfristige Ziele der Artemis-Missionen
Das langfristige Ziel der „Artemis“-Missionen ist der Aufbau einer permanenten Mondstation, von der aus Flüge zum Mars starten sollen. Für 2027 ist „Artemis 3“ geplant, bei dem die Orion-Kapsel in der Erdumlaufbahn an die Mondlandefähren von SpaceX und Blue Origin andocken soll. Die erste bemannte Landung am Südpol des Mondes ist für 2028 vorgesehen. Experten schätzen, dass das gesamte „Artemis“-Programm seit 2012 mindestens 93 Milliarden Dollar gekostet hat.