Schwache Verkaufszahlen in China, hohe US-Zölle und der Wandel zur E-Mobilität setzen Volkswagen unter Druck. Am kommenden Montag könnte der Automobilhersteller neue Sparmaßnahmen ankündigen.
Der deutsche Automobilkonzern Volkswagen sieht sich mit erheblichen Herausforderungen konfrontiert. Der Aufsichtsrat wird am Montag über mögliche neue Sparmaßnahmen beraten, um den Konzern zu sanieren. Im Vorfeld wurde ein 160-seitiges Dokument, das vom Vorstand erstellt wurde, an die 20 Mitglieder des Gremiums verteilt. Laut Berichten geht das Papier „ungewöhnlich detailliert“ auf die Situation ein und benennt erstmals deutsche Werke als strukturelle Problemfälle.
Das Dokument dient jedoch eher der Bestandsaufnahme und ist kein Beschlusspapier. Um die Herausforderungen im Unternehmen anzugehen, werden verschiedene Sparmaßnahmen vorgeschlagen, darunter:
- Reduzierung des Produktportfolios
- Vereinfachung der Plattformen
- Umfassende Prüfung von Beteiligungen
- Sicherung der Liquidität
- Deutliche Senkung der Investitionsplanung für die nächsten fünf Jahre
Strukturelle Schwächen in deutschen Werken
Die neuen Unterlagen verdeutlichen zudem, welche deutschen Werke die größten strukturellen Schwächen aufweisen. Besonders kostenintensiv sind:
- Die VW-Werke in Emden und Zwickau
- Ein Nutzfahrzeugwerk in Hannover
- Das Audi-Werk in Neckarsulm
Diese Standorte repräsentieren zusammen Zehntausende Arbeitsplätze, verursachen jedoch hohe Kosten. Allein der Betrieb des Emdener Werks soll Schätzungen zufolge jährlich 600 Millionen Euro kosten. Bevor es zu Schließungen kommt, plant Volkswagen, die Hallen anderweitig zu nutzen.
In der Automobilbranche gibt es bereits Überlegungen, die Problemwerke mittelfristig für die Rüstungsindustrie zu nutzen. Zudem wurde aus der SPD der Vorschlag unterbreitet, dass chinesische Automobilhersteller in deutschen Werken produzieren könnten.
„Die Situation ist bedrohlich“, äußerte ein Mitglied des Gremiums. Im Aufsichtsrat sei bereits von „maßgeblichen Veränderungen“ des gesamten Konzerns die Rede.
Vielfältige Herausforderungen für Volkswagen
Europas größter Automobilhersteller sieht sich seit geraumer Zeit mit verschiedenen Stressfaktoren konfrontiert. Der Absatz in China schwächelt, die Zollpolitik der USA sorgt für Probleme, und die Transformationsprozesse hin zu neuen Antriebstechnologien kommen nicht voran.
„Der gesamte Volkswagen-Konzern mit all seinen Marken wird gerade zwischen verschiedenen Problemen zerquetscht“, erklärte Autoexperte Sebastian Viehmann.
Von Volkswagen selbst kommen gemischte Signale. In einer Konzernmeldung hieß es: „Das erste Quartal 2026 war erneut von sehr herausfordernden wirtschaftlichen und geopolitischen Rahmenbedingungen geprägt. Der weltweite Automobilmarkt ging bis Ende März insgesamt zurück.“ Dennoch habe die Volkswagen Group ihren globalen Marktanteil im Vergleich zum Vorjahreszeitraum „weitgehend stabil“ gehalten.
In den Regionen Südamerika, Westeuropa sowie Zentral- und Osteuropa erzielte der Konzern Gewinne zwischen vier und acht Prozent. Im Gegensatz dazu verlor Volkswagen in China 15 Prozent und in Nordamerika 13 Prozent. Die höheren Zölle der US-Regierung haben die Exporte der deutschen Automobilindustrie stark beeinträchtigt. Konzernchef Blume kündigte in einem Interview an, dass weniger Kapazität und weniger Arbeitsplätze in Aussicht stehen. Zudem sind die Auswirkungen der KI-Entwicklung auf die Branche nicht zu unterschätzen.
Robustheit trotz Herausforderungen
Wie es mit Volkswagen weitergeht, könnte sich bereits am Montag, dem 27. April, entscheiden. Dann wird sich zeigen, ob das versandte Dokument als Leitfaden für eine Verschlankung des Konzerns dienen wird. Es steht fest, dass Volkswagen seine Kosten konsequent senken und die Ertragskraft steigern möchte: Bis 2030 plant Blume eine Rendite zwischen acht und zehn Prozent. Der Konzern soll auch bei stagnierenden Absätzen und reduzierter Kapazität robust bleiben. Auch die aktuellen Entwicklungen in anderen Branchen könnten für Volkswagen von Bedeutung sein.
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Bildquelle: Richard Bartz via Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)