Politik
Studienergebnisse zeigen: Tankrabatt begünstigt vor allem einkommensstarke Haushalte
16.04.2026, 06:37 Uhr
Im kommenden Mai dürfen Autofahrer auf eine Entlastung durch den Tankrabatt von 17 Cent brutto pro Liter hoffen. Kritiker der Maßnahme äußern jedoch Bedenken, dass diese vor allem den wohlhabenden Bürgern zugutekommt, die den Rabatt nicht benötigen. Dies belegen nun auch die Ergebnisse einer Untersuchung einer Hochschule.
Die angestrebte Senkung der Energiesteuern auf Benzin und Diesel kommt überwiegend den einkommensstarken Haushalten zugute. Dies geht aus einer Simulation hervor, die von Forschern der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Aachen erstellt wurde und die dem „Spiegel“ vorab zur Verfügung steht.
Den Berechnungen zufolge sparen die einkommensstärksten zehn Prozent der Haushalte über den Zeitraum von zwei Monaten insgesamt 21,64 Euro, was dreimal so viel ist wie die 6,48 Euro, die die einkommensschwächsten zehn Prozent einsparen. Der Grund für diese Diskrepanz liegt darin, dass mit steigendem Einkommen in der Regel auch der Spritverbrauch ansteigt, wodurch Besserverdiener überproportional profitieren. Zum Vergleich: Ein Einpersonenhaushalt mit einem monatlichen Nettoeinkommen von knapp 4500 Euro gehört zum obersten Zehntel, während Haushalte mit weniger als rund 1200 Euro zum untersten Zehntel zählen.
Experten äußern Kritik an der Maßnahme
„Es ist keine zielgerichtete Maßnahme“, erklärte der RWTH-Ökonom Aaron Praktiknjo im Gespräch mit dem „Spiegel“. „Auch ich zahle jetzt mehr fürs Tanken, aber wenn ich ganz ehrlich bin, hätte ich diesen Tankrabatt nicht dringend nötig.“
Praktiknjo und sein Team stützten ihre Berechnungen auf Daten aus der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe des Statistischen Bundesamts, dem sozioökonomischen Panel, dem deutschen Mobilitätspanel sowie aktuellen Spritpreisen. Der geplante Rabatt beläuft sich auf etwa 17 Cent brutto pro Liter (14,04 Cent zuzüglich Mehrwertsteuer). Die aktuellen Preisanpassungen für das Deutschlandticket könnten ebenfalls Auswirkungen auf die Mobilitätskosten haben.
Wirtschaftsexpertin kritisiert die Vorgehensweise
Bereits zuvor hatte die Wirtschaftsweise Monika Schnitzer den Tankrabatt scharf kritisiert. „Eine Senkung des Preises für alle durch eine zeitlich befristete Aussetzung der Energiesteuer ist die schlechteste aller bisher diskutierten Optionen“, sagte die Vorsitzende des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung in den Zeitungen der Funke Mediengruppe.
Schnitzer bezeichnete die Maßnahme als „Hilfe mit der Gießkanne“, die auch Menschen zugutekommt, die sich die höheren Preise leisten können. „Es reduziert den Anreiz, den Spritverbrauch zu senken, und vermittelt den Menschen den Eindruck, der Staat schütze sie vor allen Krisen von außen, auch die Reichen“, fügte sie hinzu. „Eine gezielte Unterstützung der wirklich Bedürftigen wäre die bessere Entscheidung gewesen“, betonte die Wirtschaftsexpertin. Warum sich Dieseltanker von Europa abwenden könnte auch mit den aktuellen wirtschaftlichen Herausforderungen zusammenhängen.
Zusätzlich könnte das neue Handelsabkommen zwischen der EU und Australien langfristige Effekte auf die Wirtschaft haben.
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Bildquelle: depositphotos