Die Verbraucherzentrale Hamburg (VZHH) hat rechtliche Schritte gegen den Schokoladenhersteller Mondelez eingeleitet, da die beliebten Milka-Tafeln in der Füllmenge reduziert wurden. Während die Verpackung unverändert bleibt, wiegt die Schokoladentafel nun nur noch 90 Gramm statt der bisherigen 100 Gramm. Gleichzeitig stieg der Preis von 1,49 Euro auf 1,99 Euro. Die VZHH wirft dem Unternehmen vor, die Verbraucher zu täuschen und klagt wegen unlauteren Wettbewerbs.
Mondelez weist die Vorwürfe zurück und betont, dass das Gewicht klar auf der Verpackung angegeben sei. Zudem habe das Unternehmen die Kunden über die Änderungen in den sozialen Medien informiert. Eine Übersicht über alle Tafeln, Sorten und Gewichte sei jederzeit auf der offiziellen Milka-Website verfügbar.
Was geschieht im Prozess?
Am ersten Verhandlungstag wird das Gericht die unterschiedlichen Standpunkte der Parteien anhören und eine erste Einschätzung abgeben. Eine endgültige Entscheidung wird jedoch nicht erwartet. Sollte es zu keiner Einigung kommen, werden beide Seiten ihre Anträge einreichen, und das Gericht wird einen weiteren Termin für die Entscheidung festlegen.
Wie viele Produkte sind betroffen?
Die Problematik der reduzierten Füllmengen ist nicht auf Milka beschränkt. Armin Valet, Lebensmittel-Experte der VZHH, erklärt, dass dieses Vorgehen in vielen Supermärkten verbreitet ist. Hersteller reduzieren heimlich die Füllmenge, was als „Shrinkflation“ bezeichnet wird. Die VZHH führt eine Liste mit über 1000 Mogelpackungen, wobei viele davon Markenprodukte, insbesondere Süßwaren, betreffen. Im vergangenen Jahr wurden 77 neue Produkte in die Liste aufgenommen, was einem Anstieg von etwa 15 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht.
Warum reduzieren Hersteller die Füllmenge?
Die Gründe für die Reduzierung der Füllmenge sind vielfältig. Peter Feller von der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE) nennt gestiegene Produktionskosten und veränderte Kundeninteressen als mögliche Ursachen. Der Begriff „Mogelpackung“ sollte jedoch mit Vorsicht verwendet werden, da er nur dann zutrifft, wenn rechtliche Grenzen tatsächlich überschritten werden. Der Endpreis wird letztlich vom Handel festgelegt.
Mondelez verweist auf wirtschaftliche Unsicherheiten und gestiegene Preise als Gründe für die Anpassung des Gewichts einiger Milka-Tafeln. Nur so könne das Unternehmen wettbewerbsfähig bleiben, ohne die Qualität oder den Geschmack der Produkte zu beeinträchtigen.
Worauf sollten Verbraucher achten?
Um die Produkte effektiv vergleichen zu können, müssen Verbraucher sich die alten Preise und Füllmengen merken. Dies sei jedoch unrealistisch, so Armin Valet. Oft bemerken Kunden die Änderungen erst, wenn sie zu Hause sind und feststellen, dass die neue Packung nicht mehr die gewohnte Menge enthält. Wer solche Abweichungen entdeckt, kann diese online melden. Jährlich erreichen die Verbraucherzentrale bis zu 3000 Beschwerden, die dann geprüft und gegebenenfalls rechtliche Schritte eingeleitet werden.
In der Vergangenheit hatte die Verbraucherzentrale bereits Erfolge: So bestätigte das Landgericht Hamburg 2024, dass Kunden beim Kauf der Margarine „Sanella“ in die Irre geführt wurden, da der Inhalt von 500 Gramm auf 400 Gramm reduziert wurde.
Welche Auswirkungen könnte das Verfahren gegen Milka haben?
Obwohl es sich um einen Einzelfall handelt, könnte eine Entscheidung des Gerichts Auswirkungen auf die Branche haben. Mondelez wird sich an das Urteil halten müssen, und die Verbraucherschützer hoffen, dass dies eine abschreckende Wirkung auf andere Hersteller hat. Seit dem Urteil zur „Sanella“-Margarine seien viele Unternehmen vorsichtiger geworden und kennzeichnen Änderungen besser, so Valet. Hinweise wie „Weniger Inhalt, gleiche Qualität“ seien vor einigen Jahren noch undenkbar gewesen, finden sich jedoch mittlerweile vereinzelt auf Verpackungen.
Um nachhaltige Veränderungen zu bewirken, müssten jedoch die Gesetze in Deutschland angepasst werden. Im Koalitionsvertrag der Bundesregierung wird mehr Transparenz bei versteckten Preiserhöhungen gefordert, jedoch bleibt unklar, wie dies konkret umgesetzt werden soll. Die Verbraucherzentrale fordert verpflichtende Hinweise auf Mengenreduktionen und sichtbare Kennzeichnungen in Geschäften, während Handel und Industrie vor zusätzlicher Bürokratie und höheren Kosten warnen. Wie geht es mit Kik weiter? Schließt der Discounter 300 Filialen?
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Bildquelle: Ubcule via Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)