Die Preise für Kerosin steigen, während die Fluggesellschaften warnen, dass der Treibstoff an deutschen Flughäfen möglicherweise bald zur Mangelware wird. Gleichzeitig produzieren die deutschen Raffinerien deutlich mehr Superbenzin, als tatsächlich benötigt wird. Diese Diskrepanz ist für die Hersteller nur schwer zu beheben.
Deutschland gilt als der wichtigste Raffineriestandort in Europa. Obwohl nahezu das gesamte Erdöl importiert werden muss, ist die Kapazität der heimischen Raffinerien theoretisch ausreichend, um die benötigte Menge an Mineralölprodukten für die deutsche Wirtschaft zu erzeugen. Von den fast 100 Millionen Tonnen Raffinerieprodukten, die in den letzten Jahren in Deutschland verbraucht wurden, wurden netto lediglich vier Millionen Tonnen aus dem Ausland bezogen. Dabei waren die Raffinerien noch nicht einmal voll ausgelastet.
Dennoch ist Deutschland bei einigen wichtigen Kraftstoffen auf Importe angewiesen. Der Ausstoß der deutschen Raffinerien stimmt zwar quantitativ mit der Nachfrage überein, jedoch nicht hinsichtlich der Produktzusammensetzung. Dies wird besonders in der aktuellen Iran-Krise deutlich, in der die Preise für Diesel und Heizöl stärker gestiegen sind als die für Superbenzin. Laut Vertretern der Luftfahrtbranche könnte Kerosin knapp werden.
In den letzten Jahren importierte Deutschland etwa die Hälfte seines Kerosin- und ein Drittel seines Dieselbedarfs. Ein Teil dieser Lieferungen kam aus Raffinerien am Persischen Golf, die momentan vom Weltmarkt abgeschnitten sind, oder aus asiatischen Ländern, die ihr Rohöl vom Golf beziehen und nun ebenfalls unter Versorgungsengpässen leiden.
Gleichzeitig stellen die deutschen Raffinerien eine übermäßige Menge an Ottokraftstoff her. Ein Teil davon wird unter anderem in die USA exportiert. In Europa verkaufen die Hersteller Super- und Normalbenzin zuletzt sogar unter den eigenen Herstellungskosten. Der Börsen-Referenzpreis für Benzin in Nordwesteuropa fiel zeitweise unter den Rohölpreis. Während Diesel und Kerosin rar geworden sind und die Margen für die Raffinerien entsprechend gestiegen sind, verlieren die Hersteller bei jedem Liter Superbenzin.
Die Raffinerien können ihre Produktpalette nicht einfach an die Nachfrage anpassen. Derzeit sind vor allem Mitteldestillate wie Diesel, Heizöl und Kerosin gefragt. Diese Produktgruppe macht etwas weniger als die Hälfte der Raffinerieproduktion in Deutschland aus. Die andere Hälfte entfällt auf Schwer- und Leichtdestillate sowie Restprodukte. Normal- und Superbenzin zählen zu den Leichtdestillaten. Das Verhältnis dieser Produktgruppen ist in den meisten Raffinerien weitgehend fix und wird durch die chemische Zusammensetzung des Rohöls sowie die technischen Anlagen bestimmt.
Kerosinversorgung in Deutschland
Die monatliche Entwicklung des Inlandsangebots an Flugkerosin bis Januar 2026 zeigt, dass die Raffinerieproduktion und die Importe zusammen das Inlandsangebot bilden, abzüglich der Exporte. Üblicherweise steigt die Nachfrage in den Sommermonaten von Juni bis September.
Vereinfacht gesagt: Der Dieseloutput könnte auf Kosten des Kerosinanteils erhöht werden. Die technischen Möglichkeiten, den Anteil von Leichtdestillaten wie Superbenzin zugunsten der gefragten Mitteldestillate zu steigern, sind jedoch stark begrenzt und in den deutschen Raffinerien bereits weitgehend ausgeschöpft. Aktuell sind die Preise für Diesel und Kerosin so hoch, dass die Hersteller trotz der negativen Marge beim Superbenzin insgesamt ein ordentliches Plus erzielen. Der Anreiz, die Produktion insgesamt zu erhöhen, ist jedoch gering. Die Gründe für die Abkehr von Dieseltankern sind vielschichtig und werden in der Branche intensiv diskutiert.
Preisanpassungen und Produktionskosten
Die aktuellen Preisanpassungen für das Deutschlandticket zeigen, dass auch im Verkehrssektor die Kosten steigen. Zudem kündigte Henkel Preisanpassungen für Haushalts- und Pflegeprodukte an, was die allgemeine Kostenstruktur weiter belastet.
USA erlauben vorübergehend Kauf von russischem Öl – Ausnahme wegen Energiekrise
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