Er zeigt seine Jabs mit der gleichen Präzision wie in seinen besten Zeiten und bewegt sich dabei geschmeidig im Ring – die 50 ist ihm offenbar nur auf dem Papier anzusehen. Ein Sparring-Video, das Wladimir Klitschko zu Beginn des Jahres in sozialen Medien teilte, schürte erneut Spekulationen über eine mögliche Rückkehr in den Boxring. Doch in der gegenwärtigen Situation ist daran nicht zu denken.
„Ich habe nur ein Comeback in meinem Kopf. Genauso wie jeder Ukrainer und Europäer: das Comeback der russischen Truppen zurück nach Russland. Es gibt kein anderes Comeback in meinem emotionalen Zustand“, erklärte Klitschko kürzlich in einem Interview bei Sandra Maischberger in der ARD.
Seit vier Jahren wird sein Denken und Handeln von dem russischen Angriffskrieg auf seine Heimat Ukraine bestimmt. Dies bleibt auch an seinem 50. Geburtstag unverändert.
Wladimir Klitschko: „Ich kann es immer noch“
Während seiner erfolgreichen Karriere als Profi-Boxer lebte und trainierte Klitschko über weite Strecken in Hamburg, zunächst zusammen mit seinem älteren Bruder Witali. Am 16. November 1996 bestritten beide ihre ersten Profikämpfe in der Sporthalle Wandsbek. 15 Jahre später sicherte sich Wladimir im Hamburger Volksparkstadion den WBA-Titel im Schwergewicht, nachdem er David Haye besiegt hatte.
Seitdem weist Klitschko unermüdlich auf das Leid seiner Landsleute in der Ukraine hin. Ob vor Ort in Kiew, wo sein Bruder als Bürgermeister gegen die russischen Invasoren kämpft, in TV-Studios oder auf der Münchner Sicherheitskonferenz, er sagt:
„Wir verlieren wahnsinnig viel. Trotzdem wird unser Wille dadurch nur stärker. Das kann auch 100 Jahre dauern. Wir werden nicht aufgeben.“
Der Krieg und die Boxkarriere
Solange russische Soldaten in der Ukraine stationiert sind, sind die Bilder des wieder boxenden „Dr. Steelhammer“ vor allem ein Zeichen für die gesunde Lebensweise eines ehemaligen Profisportlers.
„Ich kann es immer noch. Das ist eine tägliche Routine für mich“, betonte er.
Es ist erwähnenswert, dass der Olympiasieger von 1996 die Diskussionen über ein Comeback Ende 2024 teilweise selbst angestoßen hat. Auf der Plattform X äußerte er, dass ihn zwar derzeit nur der Krieg beschäftige, er jedoch sofort bereit wäre, falls ein Kampf zustande käme. Diese Aussage sorgte in der Boxszene für großes Aufsehen.
Spekulationen über Rückkämpfe
In der Folge wurde schnell über ein mögliches zweites Duell mit Tyson Fury spekuliert, der Klitschko 2015 überraschend entthront hatte.
„Ich würde mir diesen Rückkampf sehr gerne ansehen. Aber ich würde sagen, die Wahrscheinlichkeit, dass Wladimir nur für sich selbst trainiert, liegt bei 70 Prozent“, äußerte der amtierende Schwergewichts-Champion Alexander Usyk kürzlich.
Ein beeindruckendes Erbe
Unabhängig davon, ob ein 70. Profikampf in Klitschkos Karriere noch stattfinden wird oder nicht, hat er mit seinen 64 Siegen und fünf Niederlagen bereits Geschichte geschrieben und das Boxen in Deutschland entscheidend geprägt. Besonders zwischen 2006 und 2015 dominierte er die Gewichtsklasse und hielt nach Siegen in Vereinigungskämpfen gegen Sultan Ibragimow (2008) und David Haye (2011) die WM-Titel der Verbände WBA, WBO und IBF gleichzeitig.
Sein Karriereende hätte bereits einen filmreifen Abschluss gefunden. Das Duell 2017 gegen Anthony Joshua vor 90.000 Zuschauern im Wembley-Stadion, bei dem beide Kämpfer sich gegenseitig zu Boden schickten und letztlich der Brite siegte, gilt als moderner Klassiker.
Brüderliche Versprechen
Was könnte da noch folgen? Ein Kampf gegen Witali vielleicht? Dafür dürfte es jedoch zu spät sein, zumal die Brüder derzeit mit ganz anderen Herausforderungen beschäftigt sind. Zudem hatten sie einst ihrer Mutter versprochen, niemals als Gegner in den Ring zu steigen, und an dieses Versprechen haben sie sich stets gehalten.
Bildquelle: MSC/Kuhlmann via Wikimedia Commons (CC BY 3.0 de)