Die Chilenische Einsiedlerspinne, bekannt für ihr gefährliches Gift, hat nun auch in Deutschland Aufmerksamkeit erregt. Während die Nosferatu-Spinne bereits in vielen Haushalten anzutreffen ist, sorgt diese neue Art für Besorgnis. Bisher waren Spinnen der Gattung Loxosceles vor allem im Mittelmeerraum verbreitet. Ihr Gift kann zu schwerwiegenden gesundheitlichen Problemen führen, darunter Gewebezerstörung und im schlimmsten Fall sogar zum Tod. Die Entdeckung eines Exemplars der Chilenischen Einsiedlerspinne in Deutschland hat die Diskussion über die Gefahren dieser Art neu entfacht.
Lebensraum der Loxosceles-Spinnen
Spinnen der Gattung Loxosceles bevorzugen vorwiegend milde Klimazonen. Die Mediterrane Einsiedlerspinne (Loxosceles rufescens) hat sich bereits im Mittelmeerraum verbreitet und wird auch als Braune Violinspinne bezeichnet. In Nordamerika ist vor allem die Braune Einsiedlerspinne (Loxosceles reclusa) verbreitet, die in wärmeren Regionen wie dem Mittleren Westen und den südlichen Bundesstaaten vorkommt. Berichte über Sichtungen dieser Art in Deutschland sind ebenfalls bekannt.
Im Jahr 2023 wurde vermutet, dass die noch gefährlichere Loxosceles laeta, die Chilenische Einsiedlerspinne, ihren Weg nach Europa finden könnte.
Erste Sichtung in Deutschland
Die erste dokumentierte Sichtung einer Einsiedlerspinne in Deutschland fand im Herbst 2025 statt. Ein Handwerker entdeckte im Keller der Universität Tübingen ein auffälliges Exemplar und machte ein Foto, das schließlich zu Hubert Höfer, einem Spinnenexperten und Leiter der Biowissenschaften am Naturkundemuseum Karlsruhe, gelangte. „Er hat tatsächlich dieses Tier gefangen, was sehr wertvoll ist, denn nur durch dieses Männchen konnten wir eine sichere Bestimmung vornehmen“, erklärte Höfer.
Es stellte sich heraus, dass es sich um die Chilenische Einsiedlerspinne (Loxosceles laeta) handelte, nicht um die aus dem Mittelmeerraum bekannte Loxosceles rufescens oder die nordamerikanische Loxosceles reclusa. Inzwischen wurden 15 Exemplare unterhalb der Universität gefunden.
Ursprung der Spinne in Deutschland
Die Chilenische Einsiedlerspinne scheint sich über einen längeren Zeitraum unbemerkt in Deutschland aufgehalten zu haben. Ihr Weg nach Deutschland erfolgte vermutlich durch Warentransporte. „Bis sich aus Einzeltieren, die eingeschleppt werden, eine Population etabliert, dauert es in der Regel, und das schaffen nur wenige Arten“, erläuterte Höfer.
Obwohl der Fund bemerkenswert ist, ist eine flächendeckende Ausbreitung in Deutschland aufgrund der Temperaturansprüche der Spinne eher unwahrscheinlich. Die Chilenische Einsiedlerspinne ist eher häuslich und zieht Gebäude vor. Ein weiterer Fundort in Europa ist die Universität Helsinki, wo die Art seit über sechzig Jahren lebt, ohne sich über die Stadtgrenzen hinaus auszubreiten.
Gefährlichkeit der Chilenischen Einsiedlerspinne
Der Biss der Chilenischen Einsiedlerspinne kann unbehandelt für Menschen sehr gefährlich sein und sogar zum Tod führen. Diese Spinne ist in Chile heimisch und wird dort als „araña de rincón chilena“ bezeichnet. Sie ist nachtaktiv und scheu, versteckt sich oft in Schränken oder Schubladen, wenn sie in menschliche Behausungen gelangt.
„Das ist keine Spinne, die schnell zubeißt, wenn man in die Nähe kommt. Sie ist ein sehr zartes Tier und geht den Menschen aus dem Weg“, beschreibt Höfer.
Verhalten bei Sichtungen
Dr. Roland Mühlethaler, Referent für strategisches Prozessmanagement beim Naturschutzbund Deutschland (Nabu), empfiehlt, bei einer Sichtung einer Loxosceles-Spinne zunächst zu erkennen, um welche Art es sich handelt. „Sie hat keine besonders auffälligen Merkmale, die sie von anderen Arten unterscheiden“, erklärt der Experte. Die Spinnen sind nachtaktiv und nicht aggressiv, sodass es ungefährlich ist, sie zu beobachten. Wer eine Spinne im Haus findet und sie nicht dulden möchte, sollte sie sanft ins Freie befördern.
Erkennung eines Loxosceles-Bisses
Dr. Mühlethaler rät, im Falle eines Spinnenbisses die Spinne einzufangen, um eine sichere Identifizierung zu ermöglichen. So können die notwendigen medizinischen Maßnahmen getroffen werden. Das Gift der Loxosceles-Spinnen hat die unangenehme Eigenschaft, Nekrosen hervorzurufen, die im schlimmsten Fall tödlich sein können.
Gefährlichkeit des Gifts
Das Gift der Loxosceles-Spinnen ist für den Menschen gefährlich. Bei unbehandelten Bissen kann es zu Nierenversagen, Amputationen und sogar zum Tod führen. Die Sterblichkeitsrate bei Bissen wird auf drei bis vier Prozent geschätzt. In ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet spielen diese Spinnen medizinisch keine Rolle, da es nur wenige Meldungen über Bissunfälle gibt.
Ein Biss der Braunen Violinspinne kann zu schmerzhaften Hautläsionen führen, die als Loxoscelismus bekannt sind. Die Nekrose kann bis zu zehn Tage nach dem Biss zunehmen. Berichte über einen Teenager, der auf Ibiza von einer Mediterranen Einsiedlerspinne gebissen wurde und zwei Finger amputiert bekam, verdeutlichen die Gefahren.
Der Biss der Chilenischen Einsiedlerspinne ist noch gefährlicher, da innerhalb von zwei bis 18 Stunden starke Schmerzen und Nekrosen der umliegenden Haut auftreten können.
Fehlendes Gegengift
Ein besorgniserregender Aspekt ist, dass es bislang kein Gegengift für den Biss der Chilenischen Einsiedlerspinne gibt. In einem Krankenhaus in São Paulo, Brasilien, wurde jedoch ein erstes Antidot getestet, das innerhalb von 48 Stunden nach dem Biss verabreicht werden sollte. Studien zeigen, dass 91,8 Prozent der Patienten nach der Behandlung mit Kortison signifikant weniger Hautläsionen aufwiesen.
Gefahr im eigenen Zuhause?
In ihrem ursprünglichen Verbreitungsgebiet sind Loxosceles-Spinnen häufig in Häusern anzutreffen, ohne dass sie dort ein ernsthaftes medizinisches Problem darstellen. Sie sind scheu und beißen selten Menschen. Die Bisse treten meist nur auf, wenn sich die Spinnen bedroht fühlen oder versehentlich gequetscht werden.
In Chile ist es üblich, vor dem Schlafengehen dunkle Ecken abzusaugen und Kleidung vor dem Anziehen gründlich auszuschütteln, um Bisse zu vermeiden. Auch in Deutschland schätzt Hubert Höfer die Gefahr für den Menschen als „sehr gering“ ein, da die Spinnen nachtaktiv sind und den Kontakt mit Menschen meiden.
Meldung von Sichtungen
Der Naturschutzbund Deutschland hat bisher keine speziellen Maßnahmen zur Meldung von Sichtungen der Chilenischen Einsiedlerspinne vorgesehen. Interessierte können jedoch jede Spinnenart über ein Meldeformular eintragen. Es wird empfohlen, den systematischen Namen Loxosceles laeta oder das Synonym Südamerikanische Braunspinne anzugeben und ein gutes Foto beizufügen.
Ist die Angst vor der Spinne gerechtfertigt?
Dr. Mühlethaler betont, dass es wichtig ist, keine Panik zu verbreiten. „Wir leben in Mitteleuropa schon seit Jahrhunderten friedlich mit giftigen Tieren zusammen. Wenn wir die Tiere respektieren und in Ruhe lassen, passiert in der Regel nichts. Unfälle sind jedoch immer möglich“, fasst er zusammen.
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