Berlin – Die Bundeswehr steht vor einer umfassenden Reform: Verteidigungsminister Boris Pistorius (66, SPD) hat eine „Entbürokratisierungsagenda“ ins Leben gerufen, die darauf abzielt, das Leben der Soldaten durch 153 Maßnahmen zu erleichtern. Ziel ist es, überflüssige Regelungen, doppelte Befehle und die Papierflut abzubauen. Bis diese Änderungen jedoch umgesetzt werden, wird es noch einige Zeit in Anspruch nehmen.
Ein zentrales Anliegen ist es, herauszufinden, welche Vorschriften tatsächlich überflüssig oder hinderlich für die Einsatzbereitschaft sind. In diesem Zusammenhang werden Empfehlungen von Soldaten, Reservisten und Veteranen gesammelt, um die Bürokratie innerhalb der Truppe zu reduzieren. Die Bundeswehr hat in der Vergangenheit bereits zahlreiche kuriose Vorschriften hervorgebracht:
- Wenn ein Soldat während des Gefechtstrainings seine Hose beschädigt, muss ein Schadensbericht in dreifacher Ausfertigung erstellt werden. Dies bindet mehrere Vorgesetzte, die entscheiden müssen, ob eine neue Hose bereitgestellt wird.
- Auf Schießständen ist es neuerdings untersagt, Essen und Trinken mitzubringen, um eine Kontamination mit Gefahrstoffen zu vermeiden. Soldaten müssen ihre Schuhe nach dem Üben in eine spezielle Stiefelwaschanlage geben, um sicherzustellen, dass keine Gefahrstoffe an der Kleidung haften bleiben. Zudem wird empfohlen, Isomatten zum Schießen mitzubringen.
- Im Afghanistan-Einsatz war eine Mülltrennung nach deutschen Standards vorgeschrieben. Veteranen berichten, dass die einheimische Bevölkerung den Müll dann einfach auf einen Haufen geworfen und verbrannt hat.
- Bei der Entwicklung des Schützenpanzers Puma mussten unter anderem „ergonomische Anforderungen für Bürotätigkeiten mit Bildschirmgeräten“ berücksichtigt werden. Zudem durfte die Feinstaubbelastung nicht über den für Schwangere zulässigen Grenzwert hinausgehen, was bedeutet, dass der Panzer auch für schwangere Frauen geeignet sein musste.
Die Bundeswehr ruft dazu auf, weitere kuriose und unnötige Vorschriften zu melden. Interessierte können ihre Erfahrungen und Vorschläge an die E-Mail-Adresse bundeswehr@bild.de senden.
Ein Reporter äußerte sich zur Bundeswehr-Reform: „Das ist ein seichter Dämmerschlaf.“
Die Reformen sind notwendig, um die Effizienz und Einsatzbereitschaft der Truppe zu steigern und die Soldaten von überflüssiger Bürokratie zu entlasten.
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