Die Kölner Journalistin Eva Maria Michelmann ist nach 95 Tagen in Haft in Damaskus aufgetaucht. Ihr Gesundheitszustand bereitet offenbar Sorgen.
Für die Familie in Köln war die Zeit des Wartens von fast 100 Tagen von Ungewissheit geprägt. Nun steht fest, dass Eva Maria Michelmann lebt. Sie befindet sich in einer Haftanstalt in Damaskus und wurde am Donnerstag erstmals von einer Vertreterin der deutschen Botschaft besucht. Eine Sprecherin des Auswärtigen Amts bestätigte diesen Vorgang.
Die Sprecherin erklärte weiter: „Wir werden sie nun weiter konsularisch betreuen. Die Deutsche Botschaft Beirut und die Deutsche Botschaft Damaskus sind mit dem Fall befasst. Aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes können wir keine weiteren Details mitteilen.“
Antonius Michelmann, der Bruder der Vermissten, äußerte seine Wut über die Situation: „Seit 95 Tagen befindet sich meine Schwester in Isolationshaft. Das ist Tatsache und Folter.“ Gleichzeitig sei die Familie „unfassbar erleichtert, dass wir nun endlich absolute Gewissheit haben“. Er kritisierte die Bundesregierung für die Zusammenarbeit mit einem Regime, das eine deutsche Journalistin verschleppt habe und dies öffentlich leugne.
Forderungen nach medizinischer Betreuung und Freilassung
Michelmann fordert den sofortigen Zugang von unabhängigem medizinischen Personal, Anwälten und Familienangehörigen sowie die umgehende Freilassung seiner Schwester und ihres Kollegen Ahmet Polat.
Der Besuch der Botschaft bei Michelmann fand unter Aufsicht syrischer Sicherheitskräfte statt. Der Kontakt sei das Ergebnis anhaltenden diplomatischen Drucks gewesen. Laut dem Anwalt Roland Meister, der die Familie vertritt, ist Michelmanns Gesundheitszustand angeschlagen.
Meister bezeichnete die Kontaktaufnahme des Auswärtigen Amts zu syrischen Stellen als überfällig. Mehr als drei Monate sei Michelmann in Isolationshaft gewesen, ohne dass Angehörige, Anwälte oder die Botschaft Zugang gehabt hätten. Das Wiener Übereinkommen über konsularische Beziehungen garantiere deutschen Staatsbürgern genau dieses Recht. Er bezeichnete das Vorgehen als grob menschenrechtswidrig.
Hintergrund zur Festnahme
Michelmann war seit 2022 in der kurdisch kontrollierten Region Nord- und Ostsyrien tätig und berichtete für prokurdische Medien. Zuletzt arbeitete sie an einem Bericht über das Wiedererstarken des sogenannten Islamischen Staates.
Am 18. Januar 2026 verlor sich ihre Spur in Rakka, als sie zusammen mit ihrem kurdisch-türkischen Kollegen Ahmet Polat, bürgerlicher Name Mehmet Nizam Aslan, verschwand. Beide Journalisten hatten sich Augenzeugen zufolge in einem kurdischen Jugendzentrum in Sicherheit gebracht, als islamistische Milizen und Einheiten der syrischen Übergangsregierung in der Stadt kämpften.
Die syrische Übergangsregierung hatte lange bestritten, die beiden festzuhalten. Erst Aussagen ehemaliger Mitgefangener, die am 11. April nach einem Gefangenenaustausch freikamen, brachten Klarheit über ihren Aufenthaltsort, zunächst in Aleppo und nun offenbar in Damaskus. Ob Michelmanns Fall beim Treffen von Bundeskanzler Friedrich Merz mit dem syrischen Machthaber Ahmed al-Scharaa Ende März in Berlin zur Sprache kam, ist nicht bekannt.
Am Montag, den 27. April, plant die Familie eine Pressekonferenz in Köln, um neue Erkenntnisse zu präsentieren und die Forderungen nach Freilassung erneut öffentlich zu formulieren. In diesem Zusammenhang äußert sich auch Carolin Kebekus zu den Vorwürfen gegen Collien Fernandes, während Collien Fernandes ebenfalls zu schweren Vorwürfen im „Kölner Treff“ Stellung nimmt.
Quellen: t-online, Gazetaexpress, Gegenwind, Newsroom, Deutsch
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