Die Gewalt von extremistischen Siedlern im Westjordanland hat sich weiter verschärft: Innerhalb von nur zwei Tagen sind mehrere Menschen ums Leben gekommen. In israelischen Medien wird zunehmend von jüdischem Terror gesprochen.
Ein 25-jähriger Palästinenser wurde in der von Israel besetzten Region Westjordanland durch Schüsse von Siedlern in der Stadt Deir Dibwan, östlich von Ramallah, getötet, wie das palästinensische Gesundheitsministerium berichtete. Dies stellt das dritte Todesopfer innerhalb von 48 Stunden dar. Berichten zufolge durchsuchte die israelische Armee die Stadt und nahm mehr als 30 Personen fest.
Die palästinensische Autonomiebehörde gab an, dass israelische Streitkräfte palästinensische Bewohner von Deir Dibwan festgenommen hätten. Auf der Plattform X veröffentlichte die Behörde Videos, die Dutzende von Männern zeigen, die in einer Reihe eine Straße entlanggeführt werden. Diese Aufnahmen konnten bislang nicht unabhängig verifiziert werden.
Berichte über „jüdischen Terror“
Am Dienstag meldete der Rote Halbmond, dass im Dorf Al-Mughajjir im zentralen Westjordanland zwei Menschen durch Schüsse israelischer Siedler getötet wurden, darunter ein 14-jähriges Kind. Zudem wurden vier weitere Personen verletzt. Die israelische Armee erklärte, sie werde den Vorfall untersuchen.
Im Westjordanland leben seit der Besetzung durch Israel im Jahr 1967 neben etwa drei Millionen Palästinensern auch mehr als 500.000 Israelis in Siedlungen und Außenposten, die nach internationalem Recht als illegal gelten.
Steigende Gewalt seit dem Gaza-Krieg
Seit dem großangelegten Angriff der radikalislamischen Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 hat die Gewalt im Westjordanland deutlich zugenommen. Der Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar hat die Anzahl der Gewalttaten durch radikale Siedler weiter erhöht. In den israelischen Medien wird zunehmend von jüdischem Terror gesprochen.
Nach Angaben der palästinensischen Gesundheitsbehörden wurden seit Beginn des Gaza-Kriegs mindestens 1065 Palästinenser durch israelische Soldaten oder Siedler getötet. Offiziellen israelischen Zahlen zufolge starben in diesem Zeitraum 46 Israelis, darunter sowohl Soldaten als auch Zivilisten, im Westjordanland.
Weitere Vorfälle im Gazastreifen
Auch im Gazastreifen wurden laut palästinensischen Berichten bei einem israelischen Luftangriff fünf Menschen getötet, darunter drei Kinder. Der Angriff ereignete sich in der Nähe einer Moschee in Beit Lahia.
Gewaltsame Zwischenfälle haben nach Angaben der UN im Gazastreifen einen neuen Höhepunkt seit Inkrafttreten der Waffenruhe erreicht. Die Zahl der Vorfälle, wie Schusswechsel und Angriffe, sei zwischen dem 12. und 18. April im Vergleich zur Vorwoche um 46 Prozent gestiegen, so der Sprecher von UN-Generalsekretär António Guterres, Stéphane Dujarric, in New York.
Dies stellt den höchsten Wochenwert seit der Waffenstillstandsvereinbarung im Oktober dar. Das israelische Militär erklärte auf Nachfrage, man prüfe die Aussagen. Seit Beginn der Waffenruhe sind nach Angaben der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde mehr als 760 Palästinenser im Gazastreifen getötet worden.
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