Wird Wladimir Putins Zeit im Kreml bald enden? Ein Experte für Russland ist überzeugt, dass der Kreml-Chef sich in einer kritischen Phase befindet. Er bewertet die Wahrscheinlichkeit eines Attentats oder eines Putsches in Russland.
Nach Einschätzungen eines Russland-Experten könnte es nicht mehr lange dauern, bis Wladimir Putin sein Leben aushaucht. Doch welche Szenarien könnten zu seinem Ende führen? Bild: picture alliance/dpa/Pool Sputnik Kremlin/AP | Alexei Danichev
Putins Zeit im Kreml: Ein Ende steht bevor?
Wladimir Putin wird Anfang Oktober 2026 74 Jahre alt. Damit hat der Kreml-Chef bereits das Alter erreicht, in dem seine Vorgänger im Durchschnitt verstorben sind. Für den am längsten regierenden Herrscher seit Josef Stalin läuft die Zeit biologisch gesehen ab. Doch wie wird Putins Ära enden?
Experte rechnet mit Putins Tod im Amt
Diese Frage hat Dr. John Kennedy, Leiter des Russland- und Eurasien-Programms bei RAND Europe, in einem Interview beantwortet und fünf mögliche Szenarien skizziert, die zu Putins endgültigem Ende führen könnten. Die Bandbreite reicht von einem Attentat auf den Kreml-Chef bis hin zu einem Staatsstreich. Der Experte kommt zu dem überraschenden Schluss, dass Putin wahrscheinlich im Amt sterben wird, trotz der wirtschaftlichen Schwierigkeiten Russlands und der katastrophalen Verluste im Ukraine-Krieg. Glaubwürdige Berichte über gesundheitliche Probleme und alternative Behandlungen des Präsidenten deuten darauf hin, dass dieses Ende möglicherweise früher eintreten könnte als erwartet. Einschnitte in der Ölversorgung belasten Russland.
Unwahrscheinlichkeit eines Putsches in Russland
Dr. Kennedy stuft einen gewaltsamen Machtwechsel in Russland als unwahrscheinlich ein. Putin habe ein System etabliert, das vollständig auf ihn ausgerichtet sei.
„Er befördert seine Freunde. Alle Kader um Putin herum sind ehemalige Kollegen“,
erläutert Kennedy. Seit dem Beginn des Ukraine-Kriegs vor fast vier Jahren habe sich diese Machtkonzentration sogar noch verstärkt. Auch nach dem Tod von Alexei Nawalny sei kein Widerstand aus der Bevölkerung, den Parteien oder den Regionen erkennbar gewesen. Die brutale Unterdrückung jeglicher Opposition mache einen Sturz des Diktators nahezu unmöglich. Kennedys Fazit lautet:
„Das plausibelste Szenario ist, dass Putin im Amt stirbt, da er ein System mit totaler Loyalität im Zentrum aufgebaut hat.“
Erst danach würden Machtkämpfe beginnen.
Attentatsgefahr für Wladimir Putin
Dennoch schließt Kennedy ein Attentat auf Wladimir Putin nicht aus. Die größte Bedrohung gehe dabei nicht von der Moskauer Elite aus, sondern von regionalen Gruppierungen. Besonders die verarmten, ländlichen Gebiete Russlands tragen die Hauptlast des Ukraine-Kriegs – von dort stammen viele Wehrpflichtige, die für Putin in den Krieg ziehen.
„Es gibt einen wirklich bedeutenden Unterschied zwischen dem Leben in Moskau und dem Leben in den verschiedenen Regionen Russlands“,
erklärt der Experte. Mit der Umleitung von Ressourcen in den Krieg könnten sich Missstände aufstauen und irgendwann zum Ausbruch kommen.
Putins öffentliche Auftritte nehmen ab
Auffällig ist, dass Wladimir Putin immer seltener öffentlich auftritt. Kennedy vermutet, dass dies auf Krankheit, Erschöpfung oder Paranoia zurückzuführen sein könnte – möglicherweise eine Kombination aus allen drei Faktoren. Trotz umfangreicher Sicherheitsvorkehrungen bleibt ein Anschlag auf Putins Leben jederzeit denkbar:
„Jemand könnte genug Groll haben, um ihn töten zu wollen.“
Vorbereitung auf mögliche Turbulenzen nach Putins Tod
Angesichts des immer wahrscheinlicheren Ablebens des Kreml-Chefs richtet Kennedy einen eindringlichen Appell an die westlichen Regierungen: Man müsse sich jetzt auf die Turbulenzen vorbereiten, die Putins Tod auslösen könnte.
„Wenn wir eine mittel- bis langfristige Perspektive einnehmen, ist die Situation in Russland reif für Veränderungen“,
warnt der Experte. Nach Putins Tod werde ein schnelles Machtgerangel einsetzen. Die Kader müssten sich zusammenfinden und um Einfluss verhandeln. Kennedy betont, dass verschiedene Entwicklungen denkbar seien – von einem demokratischen Aufstand bis hin zu einem Militärputsch.
„Ob es am Ende ein Wandel ist, der von seinem Umfeld angeführt wird, oder ob es ein demokratischer Aufstand oder Militärputsch ist – es ist notwendig, für all diese Eventualitäten zu planen.“
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Bildquelle: http://www.kremlin.ru via Wikimedia Commons (CC BY 4.0)