Mitten im Iran-Konflikt und einer globalen Energiekrise haben die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) beschlossen, die Opec zu verlassen. Diese Entscheidung, die bereits am 1. Mai in Kraft tritt, stellt das Machtgefüge auf dem Ölmarkt in Frage und könnte das Kartell erheblich schwächen. Für den US-Präsidenten Donald Trump ist dies hingegen eine positive Entwicklung.
Die Ankündigung kam überraschend. Trump hatte der Opec wiederholt vorgeworfen, die Welt durch hohe Ölpreise auszubeuten. Zudem stellte er die militärische Unterstützung der USA für die Golfstaaten in Frage. Während die USA die Opec-Mitglieder schützen, profitierten diese von den hohen Preisen. Trump forderte in der Vergangenheit, die Opec solle die Produktion erhöhen, um die Preise zu senken.
Die VAE kritisieren seit Jahren die Opec wegen der festgelegten Förderquoten, die sie als zu niedrig erachten. Diese Quoten hindern das Land daran, größere Mengen Öl zu exportieren. In den letzten Jahren haben die Emirate erheblich in den Ausbau ihrer Förderkapazitäten investiert.
Vor dem Krieg im Nahen und Mittleren Osten förderten die Emirate im März 2026 noch 3,4 Millionen Barrel Öl pro Tag, was mehr als 16 Prozent der gesamten Opec-Produktion ausmachte. Bis 2027 streben die Emirate eine Produktionssteigerung auf 5 Millionen Barrel pro Tag an.
„Entscheidung zum richtigen Zeitpunkt“
Andreas Lipkow, Chef-Marktanalyst bei CMC Markets, äußerte, dass die VAE die Gelegenheit des Iran-Kriegs genutzt haben, um sich aus dem Bündnis zurückzuziehen. „Die hohen Erdölpreise bringen den Golfstaaten wenig, wenn sie sich an die festgelegten Förderquoten halten müssen“, erklärte er. Der Schritt spiegle die Notwendigkeit wider, sich schnellstmöglich von den finanziellen Folgen zu erholen.
Politik der Opec-Staaten
| Opec-Mitglied | Rohöl-Exporte Ø Mio. Barrel pro Tag | Raffinerie-Kapazitäten Mio. Barrel pro Tag | Ölreserven Milliarden Barrel |
|---|---|---|---|
| Saudi-Arabien | 6,1 | 2,6 | 267,2 |
| Irak | 3,4 | 1,0 | 145,0 |
| Vereinigte Arabische Emirate | 2,7 | 0,9 | 113,0 |
| Iran | 1,6 | 1,9 | 208,6 |
| Nigeria | 1,5 | 0,2 | 37,5 |
| Kuwait | 1,2 | 1,3 | 101,5 |
| Libyen | 1,0 | 0,2 | 48,4 |
| Venezuela | 0,7 | 0,3 | 303,2 |
| Algerien | 0,5 | 0,7 | 12,2 |
| Republik Kongo | 0,2 | 0,0 | 1,8 |
| Gabun | 0,2 | 0,0 | 2,0 |
| Äquatorialguinea | 0,1 | 0,0 | 1,1 |
Die durch den Krieg verursachten Störungen bieten eine gute Gelegenheit für diesen Schritt, sagte auch Energieminister Suhail Mohamed al-Masru: „Aus unserer Sicht kommt diese Entscheidung zum richtigen Zeitpunkt, da sie keine großen Auswirkungen auf den Markt haben wird: Der Markt ist unterversorgt.“ Sobald die Öltransporte durch die Straße von Hormus wieder möglich sind, benötigt das Land die Flexibilität, die Nachfrage zu bedienen, ohne durch den kollektiven Entscheidungsprozess der größeren Gruppe eingeschränkt zu sein.
Dem Austritt war scharfe Kritik der Emirate an anderen arabischen Staaten vorausgegangen. Das Land, das als regionales Wirtschaftszentrum und einer der wichtigsten Verbündeten der USA in der Region gilt, warf seinen Nachbarn vor, es während des Krieges nicht ausreichend vor den zahlreichen iranischen Angriffen geschützt zu haben. Die Emirate wurden besonders stark durch Drohnen und Raketen attackiert. Die Blockade der Straße von Hormus hat die Möglichkeiten für die Emirate, Öl zu exportieren, stark eingeschränkt. Die hohen Einnahmen aus dem Ölexport haben dem Land seit den 1960er Jahren zu Wohlstand und Einfluss verholfen.
Zusätzlich zu spezifischen nationalen Interessen könnte hinter diesem Schritt auch die Angst stehen, dass fossile Brennstoffe in Zukunft an Bedeutung verlieren könnten. Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt der Hamburg Commercial Bank (HCOB), erklärte: „Daraus ergibt sich der Anreiz, gerade in der aktuellen Hochpreisphase so viel Öl wie möglich zu fördern und zu verkaufen, um mit den Erlösen den eigenen Strukturwandel zu finanzieren.“
„Potenzielle Kettenreaktion“
Der Austritt könnte zudem eine Neuordnung der Kräfte auf dem Ölmarkt auslösen. Eckhard Schulte, Vorstandschef und Leiter Portfoliomanagement bei MainSky Asset Management, äußerte, dass nach dem Ende des Iran-Konflikts viele Staaten versuchen dürften, ihre Marktanteile zurückzugewinnen. Der Austritt schwächt zudem die Position des größten Opec-Mitglieds Saudi-Arabien, das in der Vergangenheit am ehesten Quotendisziplin gezeigt hat.
Auch ohne die VAE wird die erweiterte Opec+-Allianz weiterhin rund 40 Prozent der weltweiten Fördermenge ausmachen. Dennoch sieht Jorge Leon, Analyst beim Beratungsunternehmen Rystad, im Austritt der VAE „einen bedeutenden Wandel“ für das Bündnis. „Neben Saudi-Arabien ist das Land eines der wenigen Mitglieder mit nennenswerten Reservekapazitäten – jenem Instrument, durch das die Gruppe Einfluss auf den Markt ausübt.“ Langfristig könnte eine strukturell schwächere Opec die Folge sein.
Für die Opec stellt der Austritt laut de la Rubia einen schweren Schlag dar und birgt das Risiko, dass andere Länder diesem Beispiel folgen könnten. „Der Irak wäre da ein möglicher Kandidat, das Land hat in der Vergangenheit auch gerne mehr produziert, als die Quote erlaubt hat.“ Auch Lipkow sieht die Macht des Kartells geschwächt. Zudem sei die Hemmschwelle für weitere Austritte erheblich gesunken. „Diese potenzielle Kettenreaktion sollte nicht unterschätzt werden.“
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