Politik
Neuer Kurs in Ungarn: Magyar übernimmt nach Wahlsieg die Regierung von Orban
12.04.2026, 22:28 Uhr
Viktor Orban hat seine Niederlage akzeptiert. Die ungarischen Wähler haben Peter Magyar zum neuen Regierungschef gewählt. Damit verliert der russische Präsident Wladimir Putin seinen Einfluss in der EU. Magyar hat bereits angekündigt, zahlreiche Veränderungen herbeiführen zu wollen – jedoch nicht in allen Bereichen.
Das Ende der Ära Orban ist nun offiziell. Ungarn hat nach 16 Jahren einen neuen Regierungschef: Peter Magyar. Mit 53,7 Prozent der Stimmen erringt Magyars konservative Tisza-Partei einen klaren Sieg. Fidesz, die Partei von Viktor Orban, kommt lediglich auf 37,8 Prozent. Für Orban, der über Jahre hinweg den ungarischen Staat und die Medien nach seinen Vorstellungen umgestaltet hat, ist diese Niederlage besonders schmerzhaft.
Zu den Verlierern zählen auch Orbans internationale Verbündete, insbesondere Wladimir Putin. Orban trat in Brüssel häufig als Handlanger des russischen Präsidenten auf, indem er Sanktionen gegen Russland abschwächte, Hilfen für die Ukraine blockierte und in EU-Gremien pro-russische Positionen vertrat. Magyar hat den Ungarn versprochen, in vielen Bereichen einen Kurswechsel einzuleiten, sowohl in der Innen- als auch in der Außenpolitik. Ungarn kommuniziert mit Russland während EU-Treffen.
Sitzverteilung im Parlament
Die vorläufige Sitzverteilung im ungarischen Parlament zeigt, dass die Tisza-Partei 138 von 199 Mandaten gewonnen hat, was ihr eine knappe Zweidrittelmehrheit sichert. Diese Mehrheit ist entscheidend, um einen echten Politikwechsel herbeizuführen.
- Fidesz–KDNP: 55 Mandate
- TISZA: 138 Mandate
Die Zahlen basieren auf dem Stand der Auszählung vom 13. April 2026, 7:45 Uhr (MESZ), mit 98,94 Prozent der Stimmen ausgezählt.
Fidesz hat bereits die Wahlschlappe eingestanden. Magyar berichtete, Orban habe zwei Stunden nach Schließung der Wahllokale angerufen, um zu gratulieren. Orban selbst bezeichnete seine Niederlage als „schmerzhaft“. Magyar hingegen feierte den „Befreiungsschlag“ Ungarns nach dem deutlichen Wahlsieg: „Gemeinsam haben wir das Orban-Regime gestürzt. Wir haben Ungarn befreit, wir haben uns unsere Heimat zurückgeholt.“
Brüssel sperrt 20 Milliarden Euro für Ungarn
Fidesz hat zahlreiche Änderungen an der Verfassung vorgenommen, die die Handlungsspielräume für die Tisza-Partei einschränken könnten. Um diese rückgängig zu machen, benötigt Tisza ebenfalls eine Zweidrittelmehrheit. Die Umsetzung von Reformen ist zudem im Hinblick auf die proeuropäische Ausrichtung von Tisza von Bedeutung. Magyar plant, Ungarn wieder näher an die EU heranzuführen und die eingefrorenen Fördergelder in Höhe von rund 20 Milliarden Euro freizubekommen.
Diese Gelder wurden von Brüssel gesperrt, da Orbans Regierung gegen grundlegende Prinzipien der Rechtsstaatlichkeit verstoßen und Korruption begünstigt hat. Zentrale Elemente des Fidesz-Systems, von Verfassungsänderungen über das Wahlrecht bis hin zu Schlüsselpositionen in Justiz und Medien, wurden mit einer Zweidrittelmehrheit beschlossen.
Viele Verantwortliche in Brüssel dürften nun aufatmen. Dass Magyar sich bei Entscheidungen in Brüssel in den Dienst Putins stellt, ist nahezu ausgeschlossen. Die Abhängigkeit der Fidesz-Regierung vom Kreml wurde besonders deutlich, als ungarische Medien berichteten, dass Orbans Außenminister Péter Szijjártó in direktem Kontakt mit seinem russischen Amtskollegen Sergej Lawrow stand, um Wünsche aus dem Kreml für die ungarischen Positionen in Brüssel entgegenzunehmen. Einschnitte in der Ölversorgung.
Merz und Wadephul begrüßen den Sieg
Friedrich Merz gratulierte Magyar auf X zu seinem Sieg: „Ich freue mich auf die Zusammenarbeit für ein starkes, sicheres und vor allem geeintes Europa.“ Auch Außenminister Johann Wadephul äußerte sich positiv über den Sieg der Opposition und die Niederlage von Orban. „Die Menschen in Ungarn haben gewählt. Sie haben sich für den politischen Wandel entschieden“, schrieb Wadephul auf X.
EVP-Chef Manfred Weber gratulierte Magyar persönlich am Telefon. Er bezeichnete die Wahl in Ungarn als Signal gegen die Rechtspopulisten in Europa. Erleichtert reagierten auch viele andere EU-Politiker, darunter die Präsidentin der EU-Kommission, Ursula von der Leyen. „Ungarn hat Europa gewählt“, schrieb von der Leyen auf X. „Das ist das Ende von Orbans korruptem Mafiastaat“, fügte der grüne Europaabgeordnete Daniel Freund hinzu. Damit senden die Ungarn ein Signal in die Welt, das Autokraten und Rechtspopulisten weltweit mit Schrecken vernehmen werden.
Allerdings sind nicht alle Positionen Magyars ein klarer Gegenentwurf zu Orbans Politik. Auch eine von Tisza geführte Regierung wird voraussichtlich an einem strikten Anti-Einwanderungskurs festhalten und Waffenlieferungen an die Ukraine ablehnen. In Brüssel sind daher vereinzelt skeptische Stimmen zu hören, was den zukünftigen Kurs Ungarns unter einer möglichen neuen Regierung betrifft. Ein EU-Diplomat bezeichnete Magyar als „Orban ohne die Korruption“.
Die Tisza-Partei ist seit 2024 im Europaparlament vertreten und hat sich der konservativen EVP-Fraktion angeschlossen, der auch CDU/CSU angehören. In vielerlei Hinsicht ist Magyar als Neuling in der Politik in Brüssel und Budapest noch schwer einzuschätzen. Er stammt aus dem Umfeld von Fidesz, brach jedoch mit dieser, weil er mit dem Günstlingssystem unzufrieden war, das Orban für seine Anhänger etabliert hatte. Zuvor war Magyar Teil der Fidesz-Elite im Wirtschaftsapparat. Seit seinem Bruch mit Orban vor zwei Jahren hat er das Land bereist, um die Ungarn von seinen politischen Positionen zu überzeugen. Diese groß angelegten Touren waren ein zentraler Bestandteil der Wahlkampfstrategie von Tisza, um die von Fidesz kontrollierten Medien zu umgehen.
Inhaltlich versteht sich die Tisza-Partei vor allem als Sammelbecken für all jene, die mit Orbans Politik unzufrieden sind. Das Parteiprogramm bietet Anknüpfungspunkte für viele Gruppen, von sozialstaatlichen Versprechen wie höheren Familienleistungen und Investitionen in Gesundheit und Bildung bis hin zu eher konservativen Positionen bei Migration und Grenzschutz. Die Umsetzung dieses Programms würde jedoch ohne die Zweidrittelmehrheit im ungarischen Parlament nur schwer möglich sein. Grüne Wende in München.
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Bildquelle: Goty98 via Wikimedia Commons (CC BY 4.0)