Ein US-Gericht hat entschieden, dass die Unternehmen Meta und Google für das Suchtpotenzial ihrer Social-Media-Plattformen zur Verantwortung gezogen werden. Eine 20-jährige Klägerin erhielt eine Entschädigung in Höhe von mehreren Millionen Dollar, was als wegweisendes Urteil angesehen wird.
Mark Lanier, einer der Anwälte der Klägerin, äußerte sich vor dem Gerichtsgebäude in Los Angeles:
„Worüber wir hier sprechen, ist mehr als nur der Versuch, am meisten Geld rauszuholen, um der Klägerin zu helfen. Es geht um mehr.“
Zum Schutz ihrer Privatsphäre wird die Klägerin nur mit ihren Initialen K.G.M. genannt.
Entschädigung in Millionenhöhe
Insgesamt müssen Meta und Google sechs Millionen Dollar zahlen, wobei Meta 4,8 Millionen Dollar und Google den Restbetrag übernimmt. Die Klägerin erhält drei Millionen Dollar als Entschädigung.
Meta, das hinter Plattformen wie Instagram, WhatsApp und Facebook steht, sowie Google, das YouTube betreibt, wurden von den Geschworenen für ihr fahrlässiges Handeln verurteilt. Die Jury kam zu dem Schluss, dass die Unternehmen ihre Nutzer nicht ausreichend über die Risiken ihrer Plattformen informierten.
Neue Ära für soziale Medien?
Jakob Ward, ein Wissenschafts- und Tech-Journalist, kommentierte die Entscheidung:
„Wenn man darüber nachdenkt, wie soziale Medien auf Kinder wirken und über die Haftung, die die Unternehmen übernehmen müssen, wenn sie mit dem Verhalten von Kindern spielen – für Profit! Das war bisher völlig legal, jetzt ist das eine völlig neue Welt.“
Klägerin spricht von Abhängigkeit
K.G.M. hat mehrere Tech-Unternehmen verklagt und behauptet, deren Plattformen seien ebenso süchtig machend wie Zigaretten oder Online-Casinos. Sie begann im Alter von sechs Jahren, YouTube-Videos zu schauen, und meldete sich mit neun Jahren bei Instagram an. Laut eigenen Angaben nutzte sie Social-Media-Apps bis zu 16 Stunden täglich, was zu Depressionen und Angstzuständen führte.
In den Gerichtsunterlagen nannte sie als Belege Funktionen wie das „infinite scrolling“, das endlose Scrollen durch Inhalte. Zudem werden die Feeds der Nutzer individuell angepasst, wobei Algorithmen persönliche Interessen erkennen und entsprechende Beiträge anzeigen. Je mehr Zeit die Nutzer auf den Plattformen verbringen, desto höher sind die Werbeeinnahmen für die Betreiber.
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Berufung der Konzerne
Die Unternehmen Google und Meta haben die Vorwürfe zurückgewiesen und planen, in Berufung zu gehen. Google argumentierte, dass YouTube keine Social-Media-Plattform sei. Meta-Chef Mark Zuckerberg trat im Februar im Prozess als Zeuge auf und betonte, dass die Apps erst für Nutzer ab 13 Jahren gedacht seien.
Meta-Sprecherin Ashly Nikkole Davis erklärte:
„Die mentale Gesundheit von Teenagern ist unglaublich komplex und kann nicht mit einer einzigen App in Verbindung gebracht werden. Wir werden uns weiter energisch verteidigen, weil jeder Fall unterschiedlich ist.“
Signalwirkung für zukünftige Fälle
Das Urteil könnte weitreichende Folgen haben, da es möglicherweise Tausende weiterer Fälle betrifft, in denen es um die Suchtgefahr von Plattformen wie Instagram, YouTube, TikTok und Snapchat geht. Rechtsexpertin June Grasso warnte jedoch davor, die Entscheidung in Los Angeles auf andere Fälle zu übertragen:
„Die Fälle werden mit denen der Tabakindustrie verglichen. Aber da hat es eine Weile gedauert, bis sich ein Muster herausgebildet hat. Ich denke, man muss mehrere Prozesse durchlaufen, bevor man sieht, in welche Richtung die Geschworenen entscheiden.“
Für Meta ist dies bereits die zweite gerichtliche Niederlage in dieser Woche. Ein Gericht im US-Bundesstaat New Mexico verurteilte das Unternehmen zu einer Strafe von 375 Millionen Dollar, da die Jury der Meinung war, dass Meta nicht ausreichend zum Schutz junger Nutzer beigetragen hat. Auch in diesem Fall plant Meta, in Berufung zu gehen.
Zusätzlich zu den laufenden Verfahren wird die Diskussion um die Verantwortung der Plattformen weiter angeheizt. „Bill Cosby: Was hat das Millionenurteil im Missbrauchsfall bedeutet?“ könnte als Beispiel für die rechtlichen Herausforderungen dienen, die Unternehmen in der heutigen Zeit erwarten.
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Bildquelle: The Pancake of Heaven! via Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)